Altes Tauchen -> Altes -->
Entwicklung des Tauchcomputers

(nur der Technik, nicht der Algorithmen)

* Kleines Computer-Museum
Dipl.-Phys. A. Salm
*
Computadores de Mergulho: Histórico & Evolução
* Histoire des ordinateurs de plongée Patrice Bourdelet
* Konstruktion eines Deko-Computers DA Alexander von Lünen
* Eigenbauprojekt Deko-Computer
P. Rachow
* Open Source Tauchcomputer
IB HeinrichsWeikamp
   Diskusson in DRST zum OSTC
* Weiterer Eigenbau-Computer
* Dekometer unter Druck delphin 1973
* Geschichte der Dekotheorie
* Demontiertes Dekometer
* Tauchcomputer mit dem iPh...  1 und 2
 
Als die Taucherei sich in den 1940er Jahren von den Bleischuhen frei schwamm, ging auch die Kommunikationsverbindung nach oben verloren und damit der Helfer, der aufpasste, wann und wie schnell aufzutauchen war. Der gemeine Schwimmtaucher musste also seinen Tauchgang in Eigenregie managen und brauchte bei schwierigeren Gelegenheiten dafür ein paar Hilfsmittel.
Wir Altvorderen hatten natürlich auch unseren »Tauchcomputer«
(die CPU meist leicht oberhalb zwischen den Schultern). Er bestand aus Tiefenmesser und Uhr und, wenn's hoch kam, aus einer Dekotabelle. Zugegeben, wir gerieten 1967 nicht oft in die Dekopflicht, schon, weil's ohne Anzug saukalt war.
Dekotabelle
deko-rolle1.jpg (17694 Byte) Wem die Tabelle zu unbequem war, der konnte (im Westen) auch so was haben wie die Dekorolle. Da hatte man wenigstens noch was zu tun beim Tauchen (Rolle drehen) und brauchte nicht gelangweilt in die Gegend zu gucken. Aber man musste ja mit der Zeit gehen...
und natürlich Multilevel-Tauchgänge machen, ohne den Grips zu stark zu strapazieren.

Die US-Navy war sich schon sehr früh der Notwendigkeit, ein Instrument zu entwickeln, dass ohne zuviel Zutun des Tauchers den Tauchgang überwacht und ihm Verhaltenshinweise gibt, bewusst und beauftragte 1951 das Scripps Institution of Oceanography, eine Aufgabenstellung für eine Geräteentwicklung zu erstellen.

1953 formulierten dann Groves & Monk von diesem SIO in ihrem Bericht drei prinzipielle Aufgabenstellungen für so ein Instrument:
- Das Gerät muss die Dekompression während des Tauchgangs, untergebracht am Taucher, berechnen.
- Die Berechnung muss aufeinanderfolgende Tauchgänge berücksichtigen können.
- Der Algorithmus soll mit Multilevel-Tauchgängen klarkommen.
Der Bericht verlangte also, dass das Gerät den gesamten Ablauf eines Tauchgangs und relevanter vorhergehender verarbeiten sollte und daraus einen optimalen Aufstieg berechnen sollte, der besser an den physiologischen Vorgängen orientiert war als die Dekotabellen. Empfohlen wurde dafür schon ein elektrischer Analogrechner.

Wie in vielen anderen Bereichen auch, ging die Entwicklung der Tauchcomputer dann
- vom (hier pneumatischen)
Analogsystem,
  das die physiologischen Vorgänge im menschlichen Körper sehr grob und quasi direkt nachbildete,
- über die
elektrischen Analogrechner,
  die die direkten Vorgänge schon etwas feiner durch ihre elektrischen Analogons ersetzten,
- hin zu den
elektronischen Digitalrechnern,
  die erst die notwendige Stabilität, Genauigkeit und den Leistungsumfang aufbrachten, um dynamische Modelle
  der komplexen Vorgänge bei Sättigung und Dekompression in Echtzeit abarbeiten zu können.

Und die (Digitalen) kamen mit dem explodierenden Fortschritt der Mikroelektronik, der extremen Miniaturisierung, dem sinkenden Leistungsbedarf und der Verfügbarkeit langlebiger Akkus.
Wobei in den mikrorechner-basierten Systemen natürlich auch stark unterschiedliche Entwicklungsstufen festzustellen sind, von den nur in Tabellen interpolierenden und nur Tiefe und Zeit berücksichtigenden Programmen bis zu den modernen Sytemen mit
vielfältiger Messwerterfassung, Berücksichtigung der Vorgeschichte, komplexer Algorithmik und optimalem Nutzerinterface.

Typische Vertreter der einzelnen Entwicklungsstufen sind für
- die pneumatischen Analogsysteme das
Dekompressiometer von SOS,
- die elektrischen Analogrechner der Tracor von Texas Research Associates und
- die elektronischen Digitalcomputer am Anfang der Hans-Hass-Decobrain bis zum .... tja, wer ist denn der neueste?

Der erste war wohl 1955 der u.g. Foxboro Decomputer Mark I, der von der Navy mit Kritik an den Hersteller zurückgeschickt wurde und nie wieder dorthin zurückkam.
Die Foxboro Company, Mass. USA,  brachte diesen analogen Decomputer auf den Markt.
Er simulierte  schon 2 Gewebe bei Zeiten von 40 bis 75 Minuten, durch den Gasfluss durch poröse Materialien (2 Gruppen von insgesamt 5 Durchfluss-Widerständen, 3 unter Umgebungsdruck, 2 im Vakuum, Messung mit 5 Faltenbälgen).

Das Ablesen beim Aufstieg war einfach, der Zeiger durfte nicht in den roten Bereich (danger) geraten.

foxboro-mark1a

Aber die NEDU der Navy (NAVY EXPERIMENTAL DIVING UNIT PANAMA) schrieb dazu:
Die Bewertung deutet darauf hin, dass die Herangehensweise praktikabel ist, aber dass der Computer, wie er eingereicht wurde, noch weitgehende Verbesserungen erfordert, um die Stabilität sicher zu stellen und den Genauigkeitsbereich auszuweiten (im Vergleich zu Standarddekompressionstabellen und theoretischen Berechnungen).


Dann kam 1958 das Dekometer von SOS, konstruiert von Carlo Alinari nach einer Idee des Unterwasser-Filmers Vittorio de Sanctis. Es arbeitete prinzipiell ähnlich wie der Mark I von Foxboro, aber in der Realisierung anders. Es verwendete nur ein Gewebe (Halbwertzeit 120min) und eine einzige Blase statt der 5 Faltenbälge des Foxboro. Es wurde wegen seiner Einfachheit und Zuverlässigkeit in verschiedenen Ausführungen die nächsten Jahre sehr verbreitet eingesetzt (Distribution über viele verschiedene Marken). Die Nutzbarkeit für tiefe und Wiederholungstauchgänge war aber wohl sehr umstritten, siehe 'DKM unter Druck' weiter unten. 1963 berichtete man auch in der DDR davon:

Das Dekompressiometer   J. Mietke (Ing.) POSEIDON 5/1963
Dekometer Analog arbeitendes Dekometer für ein GewebeEin neues Hilfsmittel zur Sicherheit für die Taucher ist das
Dekompressiometer,
in seiner Art eine geniale Lösung
(Fa SOS, Italien). Wie der Name schon andeutet, ist es ein Gerät, das automatisch die Dekompressionspausen anzeigt. Damit erübrigt sich die Kopfrechenarbeit aus Zeit und Tiefe mit der Austauchtabelle, um die Dekompressionsaufenthalte festzulegen.
In Abhängigkeit von Tauchtiefe und Tauchzeit bildet das Dekompressiometer einen Mittelwert, der sich als Zeigerausschlag einstellt. Sobald der Zeiger in den Bereich der roten Segmente (1) kommt, müssen beim Auftauchen Dekompressionsaufenthalte eingelegt werden. Die mittlere Zahlenskala (2) ist in die Tiefenwerte 3, 6, 9, 12 und 15 m geteilt.
Jeder dieser Tiefenangaben ist ein rotes Segment zugeordnet, das im inneren Bereich der Skala (1) angebracht ist. Beim Austauchen verweilt man solange in der auf Skala (2) angegebenen Tiefe, bis der zurücklaufende Zeiger das zugehörige rote Segment verlassen hat. Dies wird solange fortgesetzt, bis der Zeiger nicht mehr in dem roten Bereich steht. Man braucht demzufolge beim Austauchen nur unter dem vom Zeiger angegebenen Wert zu bleiben; denn der Zeigerausschlag registriert dem Taucher augenscheinlich den noch im Blut gebundenen Stickstoff.
Um die angegebene Tiefe einhalten zu können, benötigt man unbedingt zusätzlich einen Tiefenmesser.

Auch wenn der Zeiger den roten Bereich verlassen hat, befindet sich im Blut noch ein Stickstoffrest. Dieser wird vom Dekompressiometer auch berücksichtigt, da der Zeiger erst ungefähr 6 Stunden noch dem letzten Ausstieg seine Nullstellung wieder erreicht. Innerhalb dieser 6 Stunden kann dieses Gerät nicht von einem anderen Taucher benutzt werden.
Das Prinzip dieses Gerätes ist denkbar einfach. Der Vorgang der Stickstoffenreicherung im Blut in Abhängigkeit von Tauchtiefe und Tauchdauer, wird vom Dekompressiometer "nachempfunden" und angezeigt, wobei der Zeigerausschlag ein Maß für die Stickstoffkonzentration im Blut ist. In einem Plastikbeutel, auf den der Außendruck wirkt, befindet sich ein Gas. Von diesem Gas wird in Abhängigkeit von Tauchtiefe und Tauchdauer eine bestimmte Menge durch eine poröse Masse in ein vom Außendruck abgeschlossenes Bourdonrohr gedrückt, das dadurch auslenkt und den Zeiger betätigt. Beim Austauchen strömt das Gas aus dem Bourdonrohr durch die poröse Masse wieder in den Beutel, und der Zeiger läuft zurück.
Die Außenskala (3) gibt den Stickstoffpartialdruck im Blut an. Das ganze System ist in einem Gehäuse von 5 X 8 X 12 cm³ untergebracht und kann am Unterarm getragen werden.

Handbuch gibt's auch
Dies war also ein mechanisch-pneumatisches Analogsystem:
Schnitt durch Dekometer von SOS, Klick für Vergrößerung Der sich erhöhende Umgebungsdruck presst den Stickstoff aus dem Plastik-Vorratsbehälter durch den keramischen Filter in eine Konstantvolumen-Kammer, in der sich ein geschlossenes Bourdon-Rohr befindet, das mit dem Zeiger verbunden ist (invers zum Manometer).
Durch den Strömungswiderstand des Filters wird die Halbwertszeit des (nur einen) Gewebes nachgebildet. 
Prinzip des Dekometers, Klick vergrößert
Je nach Druckzunahme wanderte der Zeiger auf der Skala von dekofrei über 3m, auf 6m und die tieferen Deko-Stufen. Unterhalb 18m war das Dekometer strenger als die US-Navy-Tabellen und oberhalb weniger restriktiv.
.

Das Dekometer hatte übrigens den Spitznamen bend-O-meter.
Und das leider nicht nur aus Spaß.  Für tiefe und Wiederholungstauchgänge waren die Abweichungen von den bewährten Tabellen erheblich.
Man suchte eifrig nach Möglichkeiten, die Deko genauer bestimmen zu können.

Wiederum das bekannte US-amerikanische Scrippts Institution of Oceanography untersuchte 1975 die Leistungsfähigkeit des "single pneumatic resistor decompression computer" und kam zu dem Schluss:
"Es wird nachgewiesen, daß sich die Zeitkonstante des Messers im umgekehrten Verhältnis zur Tauchtiefe ändert, so daß der Messer eine ‘Mehrfachgewebe-Vorrichtung’ darstellt. Die Leistungsfähigkeit des Geräts wurde mit den ‘ohne Dekompression Grenzen' der US-Marine verglichen. Der Gebrauch dieses Meßgerätes durch Freizeittaucher ist abzulehnen!"

In die selbe Kategorie der pneumatischen Analogsysteme gehören noch die folgenden:

DCIEM Mark
- analoger pneumatischer Rechner
1962 von DCIEM
  (Defense and Civil Institute of Environmental Medicine, Kanada),
- basierend auf DCIEM-Tabellen, 4 Gewebe simuliert,

GE Deco Meter
-
1973 von General Electric, auch mechano-analoges Instrument,
- keine porösen Keramiken (zu zerbrechlich),  
  sondern halbdurchlässige Membranen aus Silikongummi,
  Diffusion von Stickstoff durch diese Membranen,
  Vorteile: Verhalten der Gewebe keine Funktion der Tiefe mehr,
  Temperaturabhängigkeit verringert sich,
- 4 pneumatische Kammern simulieren 4 Gewebe mit
  24, 39, 90 und 144 min, folgt den Tabellen der U.S. Navy,
- Gerät wurde als einsetzbar bewertet, GE verlor aber das Interesse daran und stelle die Produktion ein,

FarallonFarallon Decomputer
-
1975 von Farallon Industries California, ähnlich dem GE Deco Meter,
- 4 halbdurchlässige Membranen simulieren 2 Gewebe, ein langsames und ein schnelles,
- je 2 Membranen für jedes Gewebe,
  eine für die Aufnahme und eine für die Abgabe von Stickstoff,
- Jedem Gewebe war ein Zeiger zugeordnet, der sich über einen roten, gelben und grünen
  Bereich bewegte (siehe Bild).  
  Man musste aufsteigen, ohne in den roten Bereich zu kommen.
- Der Farallon verhielt sich aber stark abweichend von den US-Navy-Tauchtabellen,
  vor allem bei Folgetauchgängen, wurde deshalb von allen Testern abgelehnt.
  Farallon zog ihn 1976 vom Markt zurück und entschädigte die bisherigen Käufer.

Es ist schon erstaunlich, dass reichlich 10 Jahre nach den ersten elektrischen Simulationen (Tracor 1963) noch diese pneumo-mechanischen Geräte erschienen. Aber ohne Batterie auszukommen, hatte schon Vorteile!

SOS-Dekometer

Noch weitere Ausführungen von SOS

2sos-dekometer2.jpg (35830 Byte) SOS-Dekometer

Hat jemand Infos dazu?

Es wurde dann natürlich versucht, das elektronisch nachzubauen, immer noch in Analogtechnik.
Ein Blockschaltbild sah zum Beispiel so aus:


Blockschaltung Dekometer

Tracor ohne GehäuseDer erste elektrischer Analog-Rechner als Decomputer war 1963 der Tracor
von Texas Research Associates, Inc.

Die bisherigen Geräte arbeiteten ja rein mechanisch, benötigten also keine Batterie!
Dafür waren die für die Simulation der Gewebe relevanten Materialien (Strömungswiderstände aus poröser Keramik oder semipermeable Membranen) aber empfindlich und nicht alterungsbeständig, bildeten auch nur sehr wenige Gewebe nach und dies nur relativ ungenau.
Der Tracor simulierte die Stickstoff-Diffusion über ein Netzwerk von Widerständen und Kondensatoren. Es wurde ein industrieller elektrischer Drucksensor für die Tiefenmessung eingesetzt. 4 kleine Quecksilber-Batterien versorgten die elektronische Schaltung und 2 große Alkaline-Batterien hielten das Thermostatgehäuse auf konstant 32°C, um die Messfehler zu minimieren. Aber die analogen Schaltungen (Operationsverstärker) erforderten immer noch zuviel (und wiederholten) Abgleichaufwand und waren nicht genügend temperaturstabil zu bekommen für die erforderliche Genauigkeit.
Mit der immer weiter steigenden Leistungsfähigkeit digitaler Rechner, die dann auch eine realtime-Messwertauswertung möglich machte, verloren die analogen Systeme schließlich ihre Bedeutung. Schwierig war allerdings für solche mobilen Systeme, wie es ein Dekocomputer nun mal sein muss, immer noch die Stromversorgung. Die ersten Mikroprozessoren und Speicher waren rechte Stromfresser und viel Besseres als NiCd-Akkus gab es noch nicht (im zivilen Bereich).


Und dann kamen sie, die digitalen ...
Der allerallererste erinnerte zwar mehr an eine Registrierkasse, aber er war ja auch nur ein Labormodell im bekannten DCIEM, das mit seinem noch analog-mechanischen Mark (s.o.) ein erfolgversprechendes Modell auf Basis der DCIEM-Dekotabellen entwickelt hatte. Kidd und Stubbs programmierten darauf gründend
1975 diesen Tischcomputer XDC-1 mit vier Geweben.
Der Algorithmus wurde mit schlauchgebundenen Tauchern getestet, die einen offenen Schlauch für die on-line-Tiefenmessung mitführten.

Danach kam der XDC-2 von der kanadischen CTF Systems Inc., der in Echtzeit rechnen konnte und schließlich der XDC3, auch CyberDiver genannt, der schon mit Mikroprozessoren arbeitete (Bild unten). Er konnte unter Wasser mitgeführt werden und maß über einen HD-Schlauch auch den Flaschendruck.  Allerdings mussten seine vier 9-V-Batterien alle 4h ausgetauscht werden :-((
Er kam
1979 auf den Markt und war damit wohl der erste echt verfügbare digitale Tauchcomputer. Bis 1982 wurden etwa 700 Stück davon verkauft.

XDC1 von DCIEM
CyberDiver 1979 kam auch der XDC-4, der bereits mit Mischgasen arbeiten konnte. Sein Mehrprozessor-System war in der Lage, nach verschiedenen Dekompressionsmodellen zu rechnen. Er war aber wohl zu teuer, um sich durchsetzen zu können.

Ab 1976 versuchte auch DACOR, die bereits eine bekannte Firma für Tauchsporterzeugnisse war, einen Tauchcomputer zu entwickeln, den DDC (Dacor Dive Computer). Obwohl sich das Rechnen nach dynamischen Dekompressionsmodellen bereits als der richtige Weg erwiesen hatte, versuchte DACOR, nur Dekotabellen abzuspeichern und auszulesen. Sie gaben eine halbe Million $ aus, um Prototypen bauen zu lassen, scheiterten aber auch daran, eine autonome Stromversorgung für 12h zu realisieren.

Damaliger Werbetext:
Zur Zeit ist der DDC der einzige Tauchcomputer der Welt, der analog zur US-Navy-Tabelle alle nötigen Werte sogar für Wiederholungstauchgänge liefert. Über gut ablesbare Digital-Leuchtdioden zeigt der Computer zehn verschiedene Werte an:
- Tiefe,
- Tauchzeit (bis zu vier Stunden pro Tauchgang),
- Zeit nach dem Tauchgang,
  Die an der Oberfläche nach dem Tauchen verbrachte Zeit
  wird bis zu zwölf Stunden lang automatisch angezeigt.
- Dekometer,
- maximal beim Tauchen erreichte Tiefe,
- Wiederholungstauchgänge,
  Alle für Wiederholungstauchgänge benötigten Werte
  werden gespeichert und automatisch angezeigt.
- Aufstiegsgeschwindigkeit,
  Steigt der Taucher schneller als 20 Meter pro Sekunde,
  so wird er gewarnt.
- Deko-Warnlicht, Es warnt den Taucher vor Überschreiten der Nullzeit.
Dacor-Dekocomputer

- Batterie-Prüflicht,
  Dieses leuchtet auf, bevor die Batterie soweit
  erschöpft ist, daß das Gerät abschaltet.


Auch die U.S. Navy verwendete Anfang der 80er Jahre einen mikroprozessorbasierten Tauchcomputer, den UDC (Bild rechts).
Die Navy testete damit verschiedene neu entwickelte Dekomodelle, offenbar recht erfolgreich. Aber das war eben nicht für den zivilen Bereich nutzbar.

1980 brachte die kanadische KyberTec dann den CyberDiver II auf den Markt. Wie der geplante DDC von DACOR war das nur ein Tabellen-Leser, hatte aber zusätzlich eine Flaschendruckanzeige und einen akustischen Alarmgeber.
Die Anzeige war eine LED-Matrix(!), und die 9-V-Batterie hielt bis zu 12h, allerdings bei einem Gewicht von .... 1,2kg !!

udc der U.S. Navy
VanGuard-Dekomonitor1981 kehrte dann NewTec, wie KyberTec inzwischen hieß, wieder zur Echtzeit-Dekomodell-Rechnung (Kidd-Stubbs) zurück und brachte den CyberDiverIII heraus, der ansonsten wie der CyberDiver II war.

Ebenfalls 1980 kam als seitliche Arabeske der Vanguard - No - Decompression - Monitor von der Aquatechnology Inc. nach einem Patent von James G. Farrar aus Florida/USA auf den Markt.
Man müsste sich mal schlau machen, wie das Ding funktionierte....


Orca-Edge - digitaler Deko-Computer 1983
In den USA kam der »erste Tauchcomputer« auf den Markt (Orca Industries Inc.), der diesen Namen wirklich verdiente - der Edge (Electronic Dive GuidE).

Er war mit dem Deko-Modell der U.S.Navy programmiert (Karl Huggins), konnte Multilevel, hatte schon ein grafisches LC-Display (!) und steckte in einem massiven Alu-Gehäuse.
Der Edge (Orca-Edge) war allerdings nur ein »Nullzeitcomputer«, denn er lieferte keine Angaben über die Dauer der Dekompression.
Dafür stellte sein Grafikdisplay die Aufsättigung von zwölf Geweben dar (5 bis 480 min).
Immer, wenn ein Gewebe die Grenze erreichts, musste man in die Deko.
Er wünschte einen Aufstieg mit abnehmendem Tempo, 18, 12 dann 6m/min. 
Der Edge wog etwa 700g und wurde von einer 9-V-Alkaline-Batterie versorgt, die man leicht wechseln konnte (Betriebsdauer zunächst 12h, 1985 dann 48h).
Der Einsatz war auf etwa 50m Tiefe beschränkt und leider gab's häufig Probleme mit der Dichtheit des Batteriefachs.
Der Entwickler schrieb 2004 in einer Newsgroup:
...Sealing against leaks was the biggest problem with that design.

Orca-Edge
Der Orca Edge setzte sich in den USA ziemlich erfolgreich durch. Das Problem war bloß, dass Orca Industries eine sehr kleine Firma war und nur etwa ein Stück pro Tag produziert werden konnte. Für Europa reichte es also nicht.
Technisch bemerkenswert war u.a. das LC-Display, das einen wesentlich geringeren Stromverbrauch aufwies als die bisherigen LED-Anzeigen. Darum konnte er auch mit Standard-Batterien arbeiten.

DataMasterEbenfalls 1983 taten sich die beiden Firmen US Divers und Oceanic zusammen, weil sie wohl nicht die letzen ohne TC sein wollten ;-)) und investierten etwa 1,5 Millionen Dollar in die Entwicklung eines Tauchcomputers. Er erschien allerdings erst 1987 auf dem Markt, natürlich unter zwei verschiedenen Namen, DataScan 2 von US Divers und DataMaster II von Oceanic.
Der bezog bereits den Luftverbrauch mit ein (Schlauch zur 1. Stufe), konnte aber seltsamerweise keine Nullzeit-Tauchgänge verarbeiten, was den kommerziellen Erfolg doch stark einschränkte.

Decobrain, Klick vergrößert Den ersten »vollwertigen Dekompressionscomputer« (also nicht nur Nullzeit-Computer wie der Edge) entwickelte 1983 der Lichtensteiner Ingenieur Jürgen Hermann. Seine Markteinführung war 1984 durch DiveTronic, Schweiz, die vorher schon digitale Tiefenmesser herausgebracht hatten. Das war damit auch der erste europäische digitale Tauchcomputer, denn alles davor kam aus den USA!

Das
»Dekobrain« berücksichtigte nicht nur JoJo-Tauchgänge, sondern zeigte parallel auch immer die Dekostufen und Dekozeit bis zur völligen Entsättigung an. Zunächst (Decobrain I) wurden nur die Deko-Werte aus Tabellen interpoliert (5 schweizer Tabellen von 0 bis 3500m Höhe) . Diese Interpolation ermöglichte aber die Verarbeitung von Wiederholungstauchgängen.
Ab 1985 (Decobrain II) war dann das Modell ZHL-16 von Bühlmann implementiert (16 Gewebe, Halbwertzeiten von 4 bis 630 min). Dafür gab es sogar schon drei Updates, P2-1, P2-2 und P2-3, wie das heute so üblich ist.
Der Computer wurde von einem Cadmium/Nickel-Akku versorgt, der etwa 80h hielt. Er wog etwa 850g, konnte aber am Unterarm getragen werden, dessen ganze Länge er einnahm :-)
Die Mutter aller Tauchcomputer litt ebenfalls unter Wassereinbruch und wurde später durch kompaktere und wirklich wasserdichte Geräte ersetzt, war aber doch der erste wirklich auf dem europäischen Markt vertriebene TC, denn die US-amerikanischen waren nur mal sporadisch erschienen.
Platine des Decobrain Links die Prozessor-Platine des Dekobrain in klassischer Bauweise aus damals üblicher 2-Ebenen-Leiterplatte und einzelnen ICs.
Dazu gehörte noch eine zweite LP mit vier LC-Displays. Den schlechteren Kontrast gegenüber den LED-Anzeigen nahm man für den wesentlich geringeren Energieverbrauch in Kauf.
.
Bedienungsanleitung Decobrain

Wer sich tiefer mit den konstruktiven Problemen von Tauchcomputern beschäftigen will, sollte sich unbedingt mal die o.g. Eigenbau-Projekte ansehen

Elektronikplatine des Microbrain Von Dacor kam als Nachfolger des Decobrain der Microbrain, der schon voll die Fortschritte der Elektronik-Technologie nutzte (SMD) und wohl als erste industrielle Entwicklung gelten konnte, die das Experimentierstadium verlassen hatte.

MicroBrain


1986 überraschte eine finnische Firma, die allerdings vorher schon einen guten Tauchkompass, den SK4, entwickelt hatte, den europäischen Markt mit einem soliden, ausgereiften und preiswerten TC, Suunto mit dem SME-ML.
Er berechnet 9 Gewebe mit Halbwertszeiten von 2,5 bis 480 min und orientiert sich an den USNavy-Tabellen. Die empfohlene Aufstiegsgeschwindigkeit ist 10m/min. Der SME-ML (ML steht für MultiLevel) hatte erstmals einen Profilspeicher für die Tauchgänge, 1 Tupel alle 3 min, Gesamtkapazität 10h.
Sein kräftiges Metallgehäuse (schön ist, was funktioniert!) ist relativ klein und wiegt etwa 120g.
Die 1,5-V-Batterie hält etwa 1500h und sie lässt sich relativ leicht selbst wechseln.
Leider geht der SME-ML  bei 60m in den Errormodus, und die maximale Zeit auf einer Dekostufe ist 30min.
Ich setze ihn immer noch als Zweitcomputer ein, er ist unverwüstlich. Viele Diveguides können ihn nicht bedienen ;-))

Na, und was Suunto heute macht, weiß ja jeder !

Suunto SME-ML, Klick!

Und dann kommt 1987, kurz nach dem SME-ML, der TC, der wohl (zumindest in D) die größte Verbreitung gefunden hat, der beliebte und verdammte, graue, hässliche, robuste ALADIN von der schweizer Firma UWATEC.

Sein Algorithmus läuft nach dem Bühlmann-Modell ZHL-12, mit sechs Geweben, mit Entsättigungszeiten zwischen 4 und 300 min und einer einheitlichen Aufstiegszeit von 10m/min.
Der erste der Familie merkt sich nur maximale Tiefe und Tauchbeginn von fünf Tauchgängen. Seine selbst wechselbare 3,6-V-Batterie hält etwa 800 Tauchgänge. Er lässt Tauchtiefen von 100m zu.

Spätere Modelle werden vor allem wegen der nur noch vom Hersteller zu wechselnden Batterie, der ungenauen Batterieanzeige und der festen Dekostufen kritisiert. Seine Verbreitung ist trotzdem eine ungeheure, und auch die Nachfolgemodelle finden ziemlichen Anklang.
Aladin Pro mit zugänglichem Batteriefach

Blockschaltbild Tauchcomputer

Moderner Armbanduhr-ComputerDie technologische Entwicklung der Tauchcomputer ist natürlich rasant weiter gegangen. Das nebenstehende sehr grobe Blockschaltbild (war auf Aladin pro bezogen) trifft aber prinzipiell auf alle TC zu.

TC sind immer kleiner (dass man sie kaum noch ablesen kann), leichter und schöner(?) geworden, können mit Flaschendruck, Gasmischungen, Bergseen, Multilevel-TGn, Mikroblasen +++ umgehen, haben aber auch manchen Gimmick verpasst bekommen, den jeder Taucher uuunbedingt braucht.


Eine neue Lösung, die ich echt interessant finde, nein wirklich!, ist das Computer-Display in der Maske, noch besser wäre ja eingeblendet in den Sichtbereich. Das würde meine Sehprobleme entschärfen, man hätte ohne Handbewegungen die Daten immer parat und ob ich die Maske verliere oder den Computer, ist eigentlich egal.
Also, da gebe ich vielleicht nochmal Geld aus, so in drei Jahren, wenn man's bezahlen kann.
Masken-Computer

OSTC von Heinrichs/WeikampTrotz mehrerer Ansätze hat sich leider, wohl wegen der Sicherheitsaspekte und des Haftungs- und Zertifizierungswahns, noch kein open source computer durchgesetzt.
Aber vielleicht wird der hier ja was und bleibt bezahlbar!

Ein paar Jahre später:
Ja, inzwischen hat dieser Typ eine ziemliche Verbreitung gefunden. Ich habe allerdings den (wirklich subjektiven) Eindruck, dass die Möglichkeiten der open source nicht soo extensiv genutzt werden. Der Preis ist hoch geblieben, was ich angesichts der Entwicklungskosten für so ein Einzweckgerät auch verstehe.

Vor einigen Jahren hatte ich hier auch geschrieben:
Wünschenswert wäre doch für die (paar?) Spinner unter den Tauchern, die immer alles verstehen und selbst bestimmen wollen, was sie tun, eine robuste, großzügig dimensionierte, mit entsprechenden Sensoren ausgestattete und frei programmierbare Hardware, die man u.a. mit Dekoalgorithmen beschäftigen könnte.
Vielleicht sollte man einen PDA unter W... mobile druckdicht einpacken und ihm über USB ein Bedien- und Sensorteil verpassen???
Genau das ist jetzt (2012) passiert. Das weit verbreitete iPhone, ein PDA mit großen Möglichkeiten, vor allem durch die Einbindbarkeit individuell programmierbarer Apps ist von einigen Firmen (z.B. hier und hier) in ein wasserdichtes Gehäuse gesteckt und mit Druck- und Temperatur-Sensoren versehen worden.
Neben den Apps für TC-Aufgaben mit sehr guter Anzeige auf dem Display laufen z.B. auch Kamera und Video-Recorder mit externem Blitz/Beleuchtung, und an der Oberfläche kann man im Notfall auch telefonieren.

Diese Entwicklung halte ich nicht für eine Spielerei, sondern ingenieurmäßig, vom Kosten/Nutzen-Aspekt und schließlich von der Nutzerfreundlichkeit her langfristig für den Sporttaucher vernünftiger als eine teure Spezialentwicklung.
Hier sind nur die spezifischen Sensoren hinzuzufügen, der Gehäusebau ist mit den Erfahrungen aus dem UW-Digital-Kamera-Bau nicht mehr problematisch, die Apps-Programmierung ist gut dokumentiert und weit verbreitet. Außerdem ist der Nutzer den Umgang mit seinem PDA-Liebling gewohnt.
Die Gefahr des Pfuschs bei den sicherheitsrelevanten Apps besteht genauso wie im open source project. In Eigenverantwortung muss man entscheiden, ob man die App des vertrauenswürdigen Herstellers oder des Kumpels von nebenan einsetzt.
Ähnlich wie bei den meisten Digitalkameras wird das Gehäuse für die nächste PDA-Version u.U. nicht mehr passen. Aber muss man diese neue Version wirklich haben, und vielleicht kann man die alte Version einfach einige Zeit noch für diesen Zweck belassen, statt sie dem Recycling zuzuführen?
.


Patrice BOURDELET (taucht seit 1969) hat zum Komplex TC ein Buch geschrieben, das man noch kaufen kann:
L'ordinateur de plongée, Editions Turtle Prod, 145 Seiten, ISBN 978-2-9530430-2-0, 25 Euro
Es ist auch möglich, es direkt auf der Verlagsseite zu erwerben: www.turtleprodshop.com

Altes Tauchen -> Altes --> Entwicklung Tauchcomputer

Letzte Änderung : 22.07.2012