Marsa Alam - Coraya Beach Hotel - Extra Divers                 Februar 2002

Diesmal wollten wir noch weiter in den Süden, um dem Massentourismus in Ägypten ferner zu sein, unberührtere Unterwasserlandschaften zu genießen und den neuen Flughafen in Marsa Alam zu checken. Sharm el Sheik (Mövenpick) und El Quseir (Mangrove Bay) hatten wir schon gesehen, und irgendwie waren wir für diesen Winter doch wieder auf Ägypten verfallen, nachdem uns andere lockende Ziele für die eine kurze Woche als zu weit und damit teuer erschienen.

Informationen von Erfahrungsträgern zu dieser südlichen Region waren kaum zu bekommen, das Internet ist auch etwas dünn bestückt, und die Bilder in den Katalogen der Reiseveranstalter waren zum großen Teil noch Computersimulationen. Trotzdem machten wir uns mit altbewährter Unterstützung durch TUI als familiäres Trio (alles Taucher um die 100 TG) auf an den südlichen Teil der ägyptischen Küste des Roten Meeres, ins Hotel Coraya Beach, 70km südlich von El Quseir aber noch 70km vor Marsa Alam (968 Euro DZ HP incl. 5-Tage-Tauchpaket).
Leider starb der Traum vom Kurztransfer (Coraya Beach liegt nur 4,5km vom neuen Flughafen Marsa Alam entfernt) schnell, es gab keine freien Flüge mehr zu diesem Airport. Dort angekommen, merkten wir dann auch, warum. Es landen jeden Tag nur ein bis zwei Maschinen, die großen Reiseveranstalter scheinen das Ganze noch als Testbetrieb anzusehen. Jedenfalls fuhren wir mit dem (klimatisierten) Kleinbus 2,5 Stunden vom chaotischen Hurghada die etwa 200km durch die etwas gleichförmige Kulisse ins Coraya Beach. Der Flug mit bestätigtem Übergepäck bei Germania und die Sicherheitskontrollen verliefen übrigens völlig problemlos. Lampen und große Akkus im Reisegepäck, die sonst meist nähere Besichtigungen hervorgerufen hatten, gingen diesmal kommentarlos durch.

Eingang.jpg (57475 Byte)
Die idyllische Hotelumgebung! Hotel und Umgebung

Das Iberotel Coraya Beach (erst im November 2001 eröffnet) ist völlig einsam direkt am Meer an einer tief eingeschnittenen schmalen Bucht gelegen.

Zusätzlich aufgeheizt auf 30°C
Paradies in der Wüste! Es ist relativ groß (etwa 650 Betten), was durch den kleinstadtähnlichen Aufbau aus 2- und 3-stöckigen Häusern aber nicht unangenehm auffällt. Zentrum ist die sehr schöne terrassenförmige Poolanlage, die auch einen beheizten Poolbereich (30°C) und Kinderplanschbecken beinhaltet. Über Sinn und Unsinn von verschwenderischem Luxus für die zahlenden Touristen will ich hier nicht reden. Die gärtnerische Gestaltung ist schon gut zu erkennen, wirkt aber natürlich nach der kurzen Zeit des Bestehens noch nicht voll. Es gibt auch einen Sandstrand mit Sonnenschirmen an der geschützten Bucht, dem allerdings das Hausriff vorgelagert ist, so daß der Zugang zu tieferem Wasser nur über einen schmalen Sandbereich möglich ist. Schwimmen und Baden für Nichttaucher sind so aber möglich, und es läßt sich am Hausriff gut schnorcheln.
Das Hotel war nur mit 100...120 Gästen belegt, so daß am Pool, am Strand, beim Essen und in den kleinen Bars eine sehr entspannte Atmosphäre herrschte. Das Personal des Hotels (4,5 Sterne bei TUI) ist überwiegend sehr jung, sehr bemüht und sprachgewandt (englisch kein Problem, deutsch bei vielen auch möglich). Durch jugendlichen Überschwang blieb allerdings manchmal besser passende Distinguiertheit auf der Strecke. Bakschisch wurde gern angenommen, aber niemals gefordert oder ertrotzt. Der Service klappte perfekt. Hotelstrand mit Bucht und gegenüberliegender Basis
2-Mann-Ausflug (mit Guide) unter schattigen Bäumen ;-)) Neben den sportlichen Möglichkeiten (auch Tennis, Billard, Schach,...) gibt es wohl nicht allzuviele fun events, aber ich könnte mir z.B. vorstellen, daß auch Familien mit kleineren Kindern durch den Pool und die Spielplätze hier einen (allerdings ghettorisierten) Urlaub verbringen können. Transfers mit Kleinbus nach Marsa Alam und El Quseir werden angeboten, versprechen wohl z.B. einen wirklich echten arabischen Markt aber kaum Ballermann-Ambiente. Unbedingt zu empfehlen für den, dem sowas Spaß macht, ist ein Ausflug mit Quad Bikes in die Wüste (1h für 80 LE=20Euro).
Frühstück und Abendessen (immer Buffet) waren von hervorragender Qualität und Vielfalt und angenehm von einheimischer Küche beeinflußt, so daß wir oft Stärke beweisen mußten, um auf Nachschlag zu verzichten.
Da wir mittags meist zum Tauchen unterwegs waren, hielten sich die Nebenkosten in Grenzen (Cola 1,5 Euro, Stella 3 Euro).
Telefonieren per Handy (keine Ahnung, welche Netztypen) und auch per Draht über die Rezeption ist möglich.
Geldtausch kann ebenfalls an der Rezeption erfolgen, Kreditkarte wird auch akzeptiert. Wir hatten Geld gleich am Flughafen in Hurghada getauscht (Zeit genug ist, wenn man an der Schlange zur Passkontrolle steht), der Kurs (3,98LE=1Euro) war fast so wie an der Rezeption (4:1). Safes befinden sich in den Zimmern, die Benutzung ist kostenfrei.
Deutsche Fernsehsender konnten zur Genüge empfangen werden.

Wetter

Die ganzen Tage über gab's herrlichen Sonnenschein mit etwa 25°C, so daß man mit Shorts und T-Shirt herumlaufen konnte, abends ging die Temperatur dann allerdings schnell auf etwa 14-16°C zurück, so daß Pullover angeraten war. Ein Nachteil der Jahreszeit ist übrigens, daß es schon um 18.00 Uhr stockdunkel ist. Mit Licht wird allerdings im Gelände nicht gespart (man hört's auch ab und zu am nahegelegenen fleißig arbeitenden Dieselgenerator).
Leider wehte immer ein relativ kräftiger kühler Wind (Stärke 2-4), erst am Abfahrtstag war Windstille :-((. Der erzeugte eine Brandung, die zu schlechter Sicht im Bereich der Strandriffe führte und Ausfahrten mit dem Zodiac zum Tauchen sehr unangenehm machte oder ganz verbot.
Die Wassertemperatur war mit durchgängig etwa 22°C schon sehr angenehm, die meisten Taucher gingen mit 5-mm-Neopren ins Wasser, ich hab's manchmal auch mit Hose und T-Shirt ausgehalten. Eine Sprungschicht war bis 30m nicht zu bemerken.
Der Strand vor dem Hotel!
Angenehmer Sonnenschutz mit festem Boden am Hotelstrand zum Anrödeln Tauchen

Hauptzweck und Zeitvertreib in der Ödnis war natürlich das Tauchen. Mit dem Hotel arbeitet eine Zweigstelle der Extra Divers (deutsche Firma aus Federsee) zusammen, wo wir schon ein Tauchpaket über TUI vorgebucht hatten (10 TG +Luft+Blei 189Euro). Andere Basen gibt es in übersehbarer Nähe nicht, wir sahen an den Spots aber öfter PickUps anderer Basen, so daß es sicher mit einiger Energie auch möglich wäre, etwas Anderes zu finden.
Im Katalog und in einer Mail der Basis hieß es putzigerweise, daß die Basis direkt gegenüber dem Hotel läge, was bei mir so etwas wie "andere Straßenseite" implizierte, sich dann aber als die andere Seite der Bucht herausstellte. Der Fußweg dorthin war aber in etwa 10 min zu bewältigen, und zum Transport des Gerödels beim Ein- und Auschecken wurde man problemlos gefahren (und auch sonst, wenn man wollte).
In voller Montur aus dem Hausriff zurück
Leider liegt die einzig mögliche Einstiegsstelle ins Hausriff, der schon erwähnte Sandstreifen am Badestrand, auf der Hotelseite, also 10 Fußminuten von der Basis weg, was zu einem eigentlich unnötigen Zeitregime führte.
Also um 9 oder 14 Uhr laufen oder fahren vom Hotel zur Basis, dort Kisten packen, auf den Eselskarren laden, mit dem Kleinbus wieder zum Hotelstrand fahren, anziehen und tauchen, ausziehen, Kisten packen, auf den Karren laden, mit dem Minibus zur Basis fahren, Sachen spülen und weghängen, zum Hotel zurückfahren oder laufen.
Auf zum Kurztrip mit dem Zodiac, genug Platz heute! Wer demgegenüber die Freizügigkeit kennt, mit der z.B. im Mangrove Bay durch den Steg übers Riffdach direkt vor der Basis zeitunabhängig getaucht werden konnte, wird den Unterschied zu schätzen wissen.
Die Basis selbst ist auch neu wie das Hotel, steht unter deutscher Leitung und hatte in unserer Woche 2 deutsche und mindestens 2 ägyptische Tauchguides/-lehrer (Ausbildung nach PADI). Die innere Organisation klappt sehr gut, jeder hat seine Kiste, ein Schließfach für die Kiste, was ich zum ersten Mal auf einer ägyptischen Basis sah, und seinen Bügel im Trockenraum. Es gibt getrennte Spülbecken für die verschieden ekligen Ausrüstungsteile, die auch regelmäßig gereinigt werden (die Becken). Leihausrüstungen und Flaschen sind quasi neu. Auf Wunsch kann man 12er Alu- oder 15er Stahl(!)-Flaschen bekommen (DIN-Ventile), die regelmäßig randvoll gefüllt sind. Zu Ausbildung und Kursen kann ich nichts sagen, da wir derartige Leistungen nicht in Anspruch genommen haben.
Schönes neues und zweckmäßiges Basisgebäude! Großen Wert legte man auf einen Checktauchgang, auf den wir extra 4 Stunden warten mußten, da gerade kein Tauchlehrer frei war. Hinterher war's der übliche Spielkram wie Maske ausblasen und Automatenwechsel. Besser finde ich die auch schon öfter erlebte Verfahrensweise, den ersten TG zu begleiten und dabei die Fähigkeiten des Tauchers komplex einzuschätzen. Aber das kostet natürlich mehr Zeit.
Sehr positiv fand ich, daß man selbständig tauchen durfte, wenn man dem Guide nicht hinterherschwimmen wollte. So haben wir fast alle der sehr einfachen TG allein gemacht (Riffkante lang, bis der erste 100bar hat, dann zurück zum Einstieg). Formal wurden dafür Limits vorgegeben (max. 30m, 1 Stunde), diese aber hinterher nicht penetrant kontrolliert. Es gab auch keinen Computerzwang, man konnte mit Tiefenmesser, Uhr und Tabelle tauchen.
dekokammer.jpg (33742 Byte) Hervorzuheben ist auch, daß man sich die 10 TG des Paketes frei einteilen konnte, also manchmal nur 1 TG am Tag oder auch mal keinen, was leider nicht auf allen Basen selbstverständlich ist.
Sauerstoff und Sanikasten waren auf den Ausflügen immer dabei, leider aber kein Handy, mit dem man u.U. schnell hätte Hilfe holen können (?).

Eine neue Dekokammer wurde in der Nähe von Marsa Alam aufgebaut, für die man in Form einer Versicherung einen Obolus bei der Basis bezahlt (7Euro/Person).
Die Basis verfügt über ein größeres Hartschalen-Schlauchboot und ein Holzboot, wobei ich letzteres nie im Einsatz gesehen habe. Damit und mit einem PickUp und 2 Minibussen wurden folgende Tauchmöglickeiten organisiert:
- um 9 und 14 Uhr TG im Hausriff (s.o.),
- um 9 und 14 Uhr Ausfahrt mit dem Zodiac zur Nord- oder Südecke der Hausbucht und Zurücktauchen zum Strandeinstieg (wenn der Seegang es erlaubt),
- um 9 und 14 Uhr Kurztrips mit dem Zodiac zu Nachbarbuchten, wenn der Seegang das zuläßt,
- von 9 bis etwa 16 Uhr Ganztagsausflug mit dem Minibus und 2 TG zu weiter entfernten Spots von Land,
- gegen 18Uhr nach Bedarf Nachttauchgang im Hausriff (5Euro extra).

Naturgemäß waren die TG für uns Baggerseetaucher alle sehr schön, litten aber oft wegen des schon erwähnten Windes unter der schlechten Sicht im Strandriff. Ausflüge mit einem seetüchtigen Boot zu vorgelagerten Riffen und Ergs hätten da nach unseren bisherigen Erfahrungen bessere Bedingungen gezeigt, schade! Elphinstone Reef oder Shaab Marsa Alam wären mit einem guten Boot sicher gut zu erreichen.
Bis auf Großfisch haben wir bei den Tauchgängen sehr viel gesehen, herrliche Korallengärten und Steilwände, Rochen, Muränen, Zackies, Napoleons,..., Grotten und Canyons.
Empfehlenswert ist, sich Nachttauchgänge im Hausriff selbst zu organisieren, indem man einfach nach 18Uhr mit der Lampe schnorcheln geht. Der Unterschied zum Tag war überwältigend, was Quantität und Qualität der Lebewesen betraf.

Der äußere Eindruck der Basis war im Komplex gesehen zunächst also durchaus positiv. Die Vorkommnisse des ersten Ausflugstages haben aber leider unser gefühlsmäßiges Verhältnis zur Basisleitung erheblich gestört und gezeigt, welche Rolle wir im Kalkül von Extra Divers auszufüllen haben: zahlende anonyme Tauchschafe, die man nach Belieben hin- und hertreiben kann, damit sie ihre Tauchpakete irgendwie abfackeln, ohne viel zu stören. Wie macht man das? Wir werden morgens in gut organisiertem Ablauf und voller Vorfreude zu dem angekündigten Tauchplatz (Abu Dabour) in etwa 50km Entfernung gekarrt. DORT erklärt uns der ägyptische Tauchguide, daß er nicht mittauchen würde, da er fürchte, seine Lizenz zu verlieren, da die Basis für diesen Platz keine Taucherlaubnis mehr habe. Wir könnten aber Ausgang des Hotelstauchen gehen, but at our own risk. Wenn die Küstenwache uns kontrolliere, könne es sehr unangenehm werden. Nachdem wir uns von unserer Verblüffung erholt haben, verlangen wir von dem armen Kerl, daß er sich gefälligst um eine Taucherlaubnis kümmern solle. Da kein Handy da ist (!), fahren wir zum nächsten Militärposten, um dort zu telefonieren. Das mißlingt, und wir fahren weiter nach Süden zur nächsten Tauchbasis (Karamana Resort). Dort "borgt" man unserem Guide eine Taucherlaubnis für den Platz. Wir fahren zurück nach Abu Dabour und haben (zwar 1 Stunde später) zwei schöne Tauchgänge. Wir schütteln zwar immer noch die Köpfe über das Verhalten der Basisleitung, aber die Begeisterung über das schöne Tauchen glättet die Wogen. Abends zurück in der Basis kommt kein Wort der Erklärung oder Entschuldigung, das ist eben so. Da wir keine Lust haben, uns im Urlaub um die ethische Erziehung der Basisleitung zu kümmern, verläuft der Restärger im Wüstensand und wir beschließen, die Basis als Werkzeug für interessante Tauchgänge zu nehmen, menschlich relevante Partner wollten sie ja wohl nicht sein ???


Die eine Woche Auszeit ist leider viel zu schnell um. Der letzte Urlaubstag geht für die Heimreise drauf, weil ja 3h Transfer und 3h Sicherheitszeit für den Abflug anstehen :-((
Die Abrechnungen in der Basis und im Hotel klappen problemlos und in Übereinstimmung mit unserer Privatliste. Germania schaukelt uns sicher nach Hause, schafft's allerdings nicht, unserer 4 Koffer auch mitzubringen. Mal sehen, wann die nun kommen....

Wenn noch jemand eine Seekarte braucht ....                                 zurück zu Reisen


Und wie sieht's 2003 aus?

Peter Schiller schickte mir 11/2003 seinen Kommentar und ein sehr schönes Luftbild:

Habe gesehen, dass du auch schon im Coraya warst und deinen Bericht gelesen. Das waren dann wohl die Anfangszeiten mit allen Unannehmlichkeiten die es so gibt.
Lot: Naja, so unangenehm war es ja wirklich nicht. Klingt das so?

Kenne ja Ägypten mittlerweilen sehr gut und war im Januar, April und Oktober im Coraya und kann dir melden, dass sich auf der Basis so einiges geändert hat
Der Steg ist fertig, es gibt täglich Ganztagestouren zu Elphinstone und Dolphinhouse (aber ab Marsa Alam), und bald stehen auch Speedboote zur Verfügung, welche direkt am Steeg vor den Extradivers ablegen (Genehmigung dauert aber in Ägypten ewig, weiß also keiner, wann genau, nur Boote sind schon da).

Luftbild Coraya

zurück zu Reisen                                 Letzte Änderung 09.07.14