Konkordia / Split  

Kroatien - Bootstour mit der Konkordia/Split
Inseln Brac, Solta, Vis und Hvar         Oktober 2003

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Tauchshop Meißen

Keiner meiner sonstigen Tauchbegleiter hatte Lust, noch Urlaub oder Geld, dieses Jahr die Tauchsaison wieder mit einer Woche in Kroatien abzuschließen. Also war ich frei in meinen Entscheidungen und konnte endlich mal den Versuch einer Bootstour starten, bei dem sie sonst immer die Nase gerümpft hatten (möh, zu eintönig, immer nur Wasser und die selben Gesichter,...). Ich stieß im Netz auf das Angebot des nahegelegenen Meißener Tauchshops, der für reichlich 500€ eine Woche Tauchen, Essen und Übernachtung auf einem Boot offerierte, das von Trogir aus starten sollte.  Da das schön weit südlich ist, was ich anstrebte, schlug ich eine Woche vor Abfahrt noch zu und wagte als alter Knabe den Sprung in eine unbekannte Bootsgemeinschaft.
Kurz vor knapp wurde dann aus organisatorischen Gründen das Boot noch "umgerubelt" und unser Grüppchen auf die kleinere Konkordia nach Split verlegt, die schon für eine andere Gruppe vom Frankenberger Tauchcenter gechartert war. Mon Dieu, dachte ich, wieder bei Tek-Divern gelandet ;-)) (siehe Kampor).
Kroatische Berge unterwegsAnreise
Da ich zu faul war, mit eigenem Auto da runter zu fahren, wie wir es sonst immer gemacht hatten, oder einen Flug zu organisieren, deichselte Karsten vom TS Meißen eine Fahrgemeinschaft für mich, die prima funktionierte. Also gondelten wir die 1300km zu dritt und mit vollem Tauchgepäck (Flaschen und Blei waren mitzubringen) mit Florians kleinem tapferen Golf da runter und wieder rauf, wobei jeder einen Teil der Strecke chauffierte. Das reduzierte die Kosten ganz schön, knapp 100€ auf jeden für Benzin und Maut.
Schnee im Oktober in Kroatien (Torsten)Diesmal fuhren wir tiefer im Lande, als ich es bisher getan hatte, über Maribor, Zagreb, Karlovac, Slunj, Knin nach Split. Ab Karlovac waren rund 300km Landstraße zu bewältigen, was den eigentlich anspruchsvollen Teil der Strecke darstellt, da es über enge Gebirgsstraßen geht, die allerdings gut ausgebaut und für unsere Verhältnisse dünn befahren sind. Tankstellen und kleine Läden oder Bistros an der Strecke sind kein Problem. Der Sprit ist angenehm billig (etwa 0,80€/l Super95), und man akzeptiert überall den Euro als Zweitwährung zum Kurs von 1:7 (offiziell 1€ = 7,55 Kuna). Wen die Müdigkeit packt, der findet sicher auch eine Übernachtung, Zimmer (Sobe) werden überall angeboten.
Kriegsfolgen sind in den Dörfern allerdings noch überall in Form zerschossener oder verlassener Häuser zu sehen. Aber genauso gibt es viele Zeichen des Neuaufbaus.
Schneller und bequemer ist eventuell die Strecke über eine neue Autobahn, von der wir erst in Kroatien erfuhren und die wir für die Rückfahrt nutzten. Sie geht von Zadar (also zunächst von Split bis Zadar etwa 140km Küstenstraße fahren) nach Karlovac, endet aber im Moment noch etwa bei Slunj und ist noch mautfrei.
Auf der Rückfahrt hatten wir übrigens im höheren Gebirge schon Schnee, der die braunen und grünen Bäume tief niederbeugte.
Hafen in Split mit Diokletian-Palast Wir starteten gegen 15.30 Uhr in Dresden und waren glücklich, mit 5-stündiger Schlafpause bei Karlovac, gegen 10 Uhr am nächsten Tag im Spliter Hafen. Dank regem Handyverkehr fanden wir rasch die anderen Teilnehmer und harrten gemeinsam im belebten Split, das mit seinem Palast aus der Römerzeit und seinem Samstagsmarkt durchaus einen Stadtbummel wert war, der Ankunft unseres stolzen Schiffes.

Schließlich trudelte die kleine nette Konkordia ein, und wir konnten unser Gerödel direkt aus den Autos am Pier an Bord schleppen und uns einnisten. Die Autos wurden kostenfrei auf dem Grundstück des Käptns in der (weiteren) Nähe untergebracht (und am Reiseende problemlos dort wieder abgeholt). Sonst hätte man sie für 75€/Woche auf einem Parkplatz am Hafen abstellen müssen.

Nachdem das größte Getümmel vorbei war, traf man sich in der Messe, die Mannschaft stellte sich vor und spendierte einen Sebstgebrannten zur Begrüßung. Es duftete schon aus der Kombüse, und bald nach dem Ablegen genossen wir das Begrüßungsmal. Wir waren in die Bordroutine eingerastet.

Das Boot
Die Konkordia ist ein 6-Jahre-altes Stahlschiff (Eigner = Kapitän), das qualitativ gut und durchdacht ausgebaut ist. Der Passagierbereich besteht aus Vordeck mit Bänken/Tischen und Sonnenschutz, der Messe, drei Toiletten mit Dusche (warmes und kaltes Süßwasser), dem Tauchdeck am Heck und einem freien Sonnendeck, wo auch die beiden Kompressoren stehen. Die Doppelkabinen sind unter Deck und beinhalten, spartanisch wie üblich, nur eine Doppelstockliege und einen offenen Spind. Das ganze Schiff war immer sauber und aufgeräumt.

Der mittelgroße Taucher konnte sehr gut und ohne Dieselgestank in den Kabinen schlafen, so daß der mitgebrachte Schlafsack für's Oberdeck ungenutzt blieb. Einzig an das über die Membranwirkung des Stahlrumpfes verstärkte stochastische Geklickere im Hafenbecken mußte man sich in der Koje erst gewöhnen.

Das Schiffchen ist ganz auf die Bedürfnisse von Sporttauchern ausgerichtet. In der Mitte des Tauchdecks stehen auf Bänken zwei Reihen Flaschen bzw. montierte Geräte, über denen gleich die Füllschläuche von der Decke hängen. Also nach dem Tauchen Regler ab, füllen (immer 220bar ;-)), Regler wieder dran, weiter tauchen - optimal. Eigene Tauchkisten normaler Größe finden unter den Bänken Platz. Die nassen Anzüge hängen sehr gut und sicher im Fartwind an Edelstahlstangen.
Am Heck ist eine ausreichende kleine Plattform mit zwei Edelstahlleitern zum Ein- und Austauchen. Hier könnte man sich noch ein paar zusätzliche Griffe wünschen.
Die Luft kommt aus zwei neuwertig aussehenden tschechischen Kompressoren auf dem Oberdeck/Sonnendeck, einem mit Elektroantrieb und einem mit Benzinmotor. Diese Redundanz bewährte sich, da irgendwann der Generator für den elektrisch betriebenen dauerhaft ausfiel. Da ging es per Benziner munter weiter.
Vom Tauchdeck gelangt man direkt zu den Duschkabinen/Toiletten, um nach dem TG ausführlich die Kamera zu spülen, wenn alle anderen mal dringend müssen ;-)).
220V zum Aufladen von Lampen und Computern (die Rechenkapazität auf dem Schiffchen war erheblich ;-)) waren manchmal ein bißchen knapp, da sie nur beim Liegen am Pier oder wenn der Generator für den Kompressor lief, zur Verfügung standen, aber über Nacht war jeder Akku wieder voll. Als Notlösung machte sich ein Kfz-Spannungswandler 12V/220V ganz gut, den wir an dicke Scooter-Akkus hängten und so 220V für die Notebooks erzeugten.

Neben dem Käptn waren ein Matrose/Stewart, ein Smutje und 1-2 Tauchguides an Bord. Sie sorgten prima für unsere Bedürfnisse und waren meist dort zur Stelle, wo Hilfe nötig war.

Konkordia am Pier
Heck der Konkordia
Ein Schlauchboot mit Außenborder hing mit dran, und das Boot wurde oft mit Umsicht eingesetzt, um uns beim An- oder Abschwimmen vom Schiff zu helfen.
Leider konnten wir zu wenig kroatisch, um uns richtig mit den Jungs zu unterhalten.

Die einzigen störenden Problemchen gingen wohl auf unsere Kappe bzw. die unserer Veranstalter. Wir waren 17,5 Passagiere an Bord, davon 13 Taucher, davon wiederum 3 mit etwas mehr Ausrüstung ;-)) und einige mit Doppelflaschen- Paketen.
Blick in die Messe Tauchdeck der Konkordia
Hvar auf HvarRichtig Platz war aber wohl für 12 1-Flaschen-Geräte mit zugehörigen Taucherleins. Das Gewusel war also manchmal ganz schön heftig, aber immer noch erträglich, da jeder versuchte, Rücksicht zu nehmen.
Übrigens wurden wir wirklich einmal von der Wasserpolizei kontrolliert, die die Tauchgenehmigungen (15€/Taucher) abcheckten. Unser Käpt'n schien aber gute Beziehungen zur Staatsmacht zu haben.

Leben an Bord
Für die gewohnheitsmäßigen Bootstourer sind das natürlich olle Kamellen, aber für mich war vieles neu und interessant.
Zur Übernachtung lagen wir immer an irgendeiner kleinen Hafen-Kaimauer, in Supetar, Vis, Hvar, Starigrad oder Milna. Wasser und Strom wurden einfach an Anschlüsse auf dem Kai angestöpselt. Am späten Nachmittag, oft schon mit einfallender Dämmerung liefen wir ein, und morgens nach dem Frühstück ging's weiter. Am Abend hatte man Gelegenheit, die reizvollen kleinen Städtchen zu besichtigen, etwas Eßbares zum Abendbrot einzukaufen oder sich ein nettes Restaurant zu suchen. Die Hafenstädtchen auf den Inseln machen alle einen malerischen Eindruck, sind gut gepflegt und atmen durch antike Ruinen und Baudenkmale die reizvolle mediterrane Geschichte. Moderne Yachthäfen, in denen offensichtlich Mittelmeer-Jachten noch relativ preiswert überwintern können, und kleine Fischereihäfen bestimmen das Hafenbild. Die Touristensaison war Ende Oktober vorbei, Einheimische waren wieder bestimmend im Straßenbild, die Gaststätten waren aber doch noch hoffnungsvoll geöffnet. Je nach Gusto aßen wir zu Abend an Bord (das Gekaufte aus dem Mikromarkt) oder eben im Restaurant. Das Geklöne danach ging fast immer um die Taucherei oder Reisen, die alle schon gemacht hatten.
Morgens Punkt 8 Uhr gab's Frühstück, das der Smut versuchte, abwechslungsreich zu gestalten. Danach konnte man noch ein bißchen auf dem Pier bummeln und die Fischer beobachten, die versuchten, ihren wirklich spärlichen Frühfang an Fischfreunde zu verhökern.

Oder es ging langsam los zum ersten Tauchplatz, so daß wir meist gegen 10 Uhr erst ins Wasser kamen. In der Erholungspause danach hatte jeder genug zu tun, um die Ausrüstung zu pflegen, den TG zu protokollieren oder einfach mit den anderen das Erlebte zu diskutieren. Man kam meist gerade recht zum reichlichen und sehr schmackhaften Mittagessen. Dazu legten wir oft in einer ruhigen Bucht an, wo man auch ein bißchen die Gegend erkunden konnte. Vis auf Vis
Ausfahrt aus Milna Die große Pause nach dem Essen, in der mühelos der nächste Tauchplatz erreicht wurde, war mir meist zu lang, wiewohl physiologisch sinnvoll. Oft waren wir so erst gegen 16 Uhr zum zweiten TG im Wasser, was um diese Jahreszeit nicht gerade optimale Lichtverhältnisse bedeutete.
Morgens gleich beim Frühstück auszufahren, Mittags den kleinen privaten Imbiß einzulegen, nur die unbedingt notwendige Tauchpause zu machen und dann erst nach dem zweiten TG auf der Heimfahrt fett zu essen, wäre mir sinnvoller erschienen, aber na ja....
Das Wetter ist in dieser Zeit gerade noch so an der Grenze, wir hatten zwei schöne Sonnentage, zwei Regentage und den Rest so dazwischen. Warme Bekleidung ist unbedingt anzuraten, vor allem auch, weil ständig relativ kühler Wind wehte.
Karte unserer Tour Es war natürlich immer noch besser als zu Hause, von wo uns Schneefälle gemeldet wurden.

Tauchen
Was uns beim Tauchen erwartete, wußte ich von den vorhergehenden Reisen, Felsen und Steilwände mit schönem Bewuchs, viel Kleingetier und wenig Großfisch, gute bis mäßige Sichtweiten.
Die Wassertemperatur lag stabil zwischen 17 und 21 °C, die Lufttemperatur am Tage zwischen 14 und 20°C. Wir tauchten mit Mono-12er oder 15er, Doppel-7er oder sogar Doppel-10er. Bei den Tauchtiefen um 40m waren wir also meist um 50 Minuten im Wasser. Dafür reichten Naßanzüge zwischen 5 oder 7mm, nur selten nutzte jemand seinen Trocki.
Gleich der erste TG war eigentlich DER Paukenschlag der Reise, wir tauchten an einem Erg im Freiwasser in der Nähe von Brac (1). Es reichte etwa bis 15m unter die Oberfläche und fiel bis etwa 50m auf Sandgrund ab. Soviel Fisch und Bewuchs bei Sichtweiten um 40m hatten wir dann leider nie wieder.
Bei den insgesamt 12 Tauchgängen in den sechs Tagen waren noch einige nette dabei, z.B. vor Vis am Wrack des Fischkutters Fortunal (4, um 40m tief, Sicht etwa 30m), Tunnel und Steilwand an der Insel Hvar (7) mit hübschem Bewuchs und die Höhle bei Brac (8), wo der Zugang durch zwei Durchbrüche im Meeresboden erfolgte.

Die Höhle ist dann eine große Blase, in der man bis auf etwa 40m abtauchen kann. Highlight waren hier mehrere große Thunmakrelen, die uns in der Höhle umkreisten.Tja, aber sonst.... Wir tauchten häufig in relativ glömrigen Wasser an relativ reizlosen Steilwänden. Da mir das Tauchen an sich Spaß macht und man ja wahrhaftig aus unseren heimischen Löchern nicht verwöhnt ist, habe ich auch diese Tauchgänge genossen. Eine noch attraktivere Auswahl wäre aber schon schön gewesen,....der gemeine Taucher ist nun mal so unersättlich ;-))

Jahreszeitlich bedingt hatten wir relativ starken Wind von See; auf der Karte sieht man deutlich, daß wir überwiegend nur im Windschatten der Inseln ins Wasser konnten. Das hat die Möglichkeiten natürlich auch eingeschränkt. Unser Guide schien aber auch noch nicht die Erfahrungen zu haben, einige Male gingen Tiefenangaben und zu erwartende Sehenswürdigkeiten (Amphoren ;-))) doch etwas an der Realität vorbei.
Trotzdem waren alle überzeugt, daß es ihnen im Mittel gefallen hätte.

Ich fand sehr angenehm, daß man eigenverantwortlich tauchen konnte/mußte. Das findet man ja bei Tagesfahrten mit Basen heute selten. Unser Guide hatte zwar beim ersten Tauchgang versucht, den Sack Flöhe etwas zusammen zu halten, machte dann aber keine weiteren Versuche. Auch Solotauchen war also zu meiner Freude möglich.

Mein Lieblingsbild von Torsten: Koralle mit Fadenstern und Fischli
Fazit
Eine Woche Bootsfahrt pro oder contra?
Pro,
man hat (theoretisch ;-)) die Möglichkeit, viele weit auseinander liegende (attraktive)  Tauchplätze aufzusuchen und liegt (fast) jeden Abend in einem anderen netten Hafenstädtchen, das es zu erkunden gilt.
Werner auf dem AbsprungFlorian UW (Torsten) Hilfe muß sein
Wesentlich für mich war auch die Möglichkeit, mit anderen Tauchern, denen man sonst wohl nie so nahe kommen würde, ausgiebig und ohne Zeitdruck zu schwatzen und Erfahrungen auzutauschen. Ich habe z.B. viel über Mikrobläschen gelernt ;-)).
Das ist natürlich dann besonders angenehm, wenn so eine nette, verträglich und gut durchmischte Truppe beisammen ist, wie auf dieser Tour.
Contra,
wenn's schlechtes Wetter gibt, kann man nicht so bequem auf Kultur ausweichen, wie sonst im Urlaub üblich. Wenn man mit besonderen Typen Mensch nicht so gut klar kommt, kann man ihnen hier nicht so leicht entkommen (diesmal natürlich rein theoretisch). Ja, theoretische Contras gäbe es noch mehr, aber sie wären für diese Fahrt einfach unzutreffend.
Also,.... zu empfehlen! Beim nächsten Mal vielleicht etwas früher im Jahr und mit konkreteren Absprachen oder mehr Einflußnahme über anzufahrende Tauchplätze.

p.s. Ich hoffe, daß einige andere Teilnehmer der Tour diesen Bericht lesen und stelle sehr gern ihre (auch divergente) Meinungsäußerung hierher!


zu Reisen                       Letzte Änderung 09.07.14