Den Bach runter - Verzasca zurück zu Reisen
Lago Maggiore von Brezzo di Bedero aus
Juni 2008, wir verdanken unseren Kindern eine Woche Sommerhaus-Aufenthalt am Lago Maggiore, eine Familienreise, keine mit Schwerpunkt Tauchen .... aber, man kann ja mal sehen ;-))
Erstes Googeln ''tauchen lago maggiore'' erbringt einige lahme Angaben, paar Tauchplätze mit (künstlichen?) Wracks, sehr tiefer Rinnensee mit steil abfallenden Ufern, die Tiefenlinien hören bei 300 m auf, lassen aber noch einen breiten Streifen in der Seemitte frei, Sichtweiten gut, wenn's einige Zeit nicht geregnet hat, naja.
Aaaber DIE Erkenntnis des unbedarften Südeuropa - Fastnichtkenners, der Gebirgsfluss Verzasca mündet in diesen See!
Und von dem hat man natürlich schon gehört. Also weiter mit G..gle Maps, und siehe da, die Sache erscheint machbar.
Wir residieren nahe Luino an der italienischen Ostseite des Lago Maggi, die Verzasca mündet im schweizerischen Nordnordwesten (Der riesige See hat ein schweizerisches Norddrittel, und die südlichen zwei Drittel gehören zu Italien.).

Größere Kartenansicht

Die nicht zu hoch gespannten Hoffnungen zum Tauchen im Lago Maggi an unserem Ostufer werden nach einigen Schnorchelausflügen entgültig begraben. Es hat einige Tage geregnet, der See hat an der Oberfläche zwar um 16°C, bietet aber nur etwa 4-5m Quersicht. Zu erkunden, ob's unter 30 m wesentlich besser wird, wie das Internet meint, haben wir eigentlich keine Lust, weil außer ein paar versenkten Booten im Schlick nicht sooo viel zu erwarten ist. Aber das ist natürlich Ansichtssache, manchen lockt eine ins Bodenlose abfallende Steilwand, bitteschön.

Konkaver Verzasca-Staudamm

Verzasca-Stausee DIE Verzasca mit Stromschnellen und Becken

Also auf in die Schweiz Richtung Locarno, was einigen älteren noch aus dem Geschichtsunterrricht vom gleichnamigen Pakt geläufig sein sollte. Die italienisch-schweizerischen Grenzübertritte stellen rüber wie nüber kein Problem dar. Man wird durchgewinkt, nicht mal für unsere Pressluftflaschen haben wir Gefahrgut-Begleitscheine ausgefüllt ;-). Auf der Fahrt Richtung Locarno sieht man laufend Schilder mit ''Valle Verzasca'', also nicht zu verfehlen.
Der gewaltige Einschnitt des Tales kommt schon sehr beeindruckend aus dem grandiosen Gebirgsmassiv, aber es folgt gleich noch besser, nämlich mit dem 220 m hohen Verzasca-Staudamm, der wie eine riesige Kugelscherbe in den v-förmigen Durchlass geklemmt ist. Hier sollte man trotz aller Tauchlust halt machen und auf die Staumauer gehen. Obwohl ich sonst keine Höhenangst habe, waren meine Handflächen auf dem Raustritt in der Mitte der Staumauer beim Blick nach unten feucht. Wer's braucht, kann hier für 170 Euro auch einen Bungee-Sprung wagen.

Verzasca-Tal Römerbrücke

Der Stausee zieht sich, immer schmaler werdend, noch einige Kilometer in das Tal hinein. Tauchen in ihm ist leider nicht erlaubt, wie ich irgendwo gelesen habe. Aber dann beginnt endlich der Fluss/Bach. Stromschnellen über riesige Steine wechseln mit ruhigeren Becken ab, wo schnorcheln/tauchen schon möglich wäre. Heute sieht die Verzasca relativ harmlos aus. Es hat seit zwei Tagen nicht mehr geregnet, aber das gewaltige Flussbett lässt erahnen, was hier los ist, wenn die Schneeschmelze oder Regengüsse anstehen. Das erste lohnende und auch einigermaßen leicht erreichbare Teilstück soll bei der sogenannten Römerbrücke sein, haben wir gelesen.
Und die ist wahrlich nicht zu verfehlen, zwei wunderschöne, elegant gemauerte Bögen machen das gegenüberliegende Ufer erreichbar. Von etwa 50 m oberhalb bis 40 m unterhalb der Brücke gibt es eine Rinne/Becken ohne große Hindernisse, in der die Verzasca heute mit nur leichter Strömung fließt.

Becken oberhalb der Römerbrücke, Einstieg links in der Mitte

Ins obere Becken strömt sie über einen kleinen Wasserfall, den man dann auch von UW sehen kann.

Der Ausfluss des unteren Beckens in die folgenden (nicht empfehlenswerten) Stromschnellen ist geteilt. Steuerbord geht es flach über einen Wall aus Flusskieseln, über den wohl heute kein Taucher gespült werden kann. Backbord geht es durch einen engen Kanal, den man aber problemlos vermeiden kann, wenn man sich rechts hält, also auch ohne Sicherungsseil heute alles paletti. Mein Töchterlein lässt sich überzeugen.

Becken unterhalb der Brücke mit zwei Ausläufen rechts und links

Der Einstieg/Ausstieg ist oberhalb oder unterhalb der Brücke auf dem der Straße gegenüberliegenden Ufer möglich, oberhalb aber bestimmt bequemer. Da wir noch nicht wissen, wie stark die Strömung wirklich ist, nehmen wir auch lieber den oberen.
Da heute wirklich wenig Betrieb ist, können wir gleich an der Brücke parken (Parkuhr) und uns da umziehen. Sonst könnte man etwa 100m weiter ins Tal hinauf fahren, wo eine größere Parkfläche ist.
Wir sind an einem Werktag, allerdings bei strahlendem Sonnenschein, etwa gegen 14 Uhr dort und die einzigen Taucher. Nur ein paar Jugendliche nutzen das untere Becken zum Baden und Springen von der Brücke (Alle Achtung!). Die Sonne stand noch voll in der Rinne, was zwei Stunden später, als wir von oben zurück kamen, schon nicht mehr der Fall war.
Wir brachten mit einer kleinen Klettertour (steigen über große Steine) zunächst unser Blei und die Flossen zum Einstiegspunkt (über die Brücke, dann scharf rechts zum Wasser hinunter). Dort war bei dem heutigen Wasserstand eine Steinleiste, wo man wie an einem Poolrand ein- und aussteigen konnte.
Dann zogen wir uns am Auto komplett an und turnten nochmal runter. Der Einstieg ins Wasser war so denkbar einfach. Das Wasser hatte etwa 14°C, 6mm nass mit Kopfhaube, bei mir auch ohne Handschuhe, reichten also völlig.

Vor dem Einstieg Beim Wassern Ab geht's

Zunächst tauchten wir weiter nach oben. Wenn man Strömungsschatten nutzte, kam man bequem an den kleinen Wasserfall heran und konnte sich in einer ruhigen Höhlung daneben halten. Dann ließen wir uns in der Mittelrinne nach unten treiben (maximale Tiefe 8m). Die Strömung war wirklich schwach, so dass es nur langsam voran ging. Die Ufer sind tief unterspült, es ergeben sich so 4-5m tiefe Grotten, in denen das Wasser ganz ruhig ist. Der Grund ist teilweise mit Flusskieseln bedeckt, teils ist es glattgeschliffener Stein. Die Quersicht betrug etwa 8m, es war also ncht sooo kristallklar, aber trotzdem als Gesamtensemble wunderschön. Unten liess sich das Ende des Beckens mühelos erkennen, und man kam nach rechts rüber. Da der Turn nur etwa 5 min gedauert hatte, machten wir uns an den Rückweg gegen die Strömung. Man hätte es zur Not mit den Flossen geschafft, weiterziehen an dicken Flusskieseln machte die Sache aber einfacher. So kamen wir wieder am Einstieg an und machten die gleiche Reise mit Begeisterung nochmal hin und zurück. Damit ging der Tauchgang 27 min. Dass es doch anstrengend gewesen war, merkten wir dann beim Hochsteigen zur Brücke.

Am Ende des unteren Beckens Der Rest der Familie vergnügte sich inzwischen als Skindiver, brrrh! Naja, bisschen geschafft sehen wir nachher schon aus

Anschließend fuhren wir noch einige Kilometer weiter ins Tal hinein, nicht, um weitere Einstiege zu suchen, sondern um noch mehr von der grandiosen Landschaft zu sehen, auch empfehlenswert.
Der Tauchurlaub war wieder Familienurlaub....

Andere Becken

p.s.
Sehr angenehm ist die schweizerische Unkompliziertheit beim Tauchen im Verzasca-Tal. Es wimmelt nicht von Abzocke und Verboten. Man bezahlt bescheidene Parkgebühren, und es gibt Warnschilder, die auf die Gefahren hinweisen und an das eigene Verantwortungsbewusstsein appellieren, keine Genehmigungen, keine Kontrollen,...


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Letzte Änderung 20.05.14