Altes Tauchen -> Reisen --> Kuba - Rundreise und Jibacoa-Breezes

Februar/März 2015


Ende Februar 2015 sind wir für zwei Wochen nach Kuba geflogen. Es war keine Tauchreise, aber ABC ist natürlich immer dabei. Kuba stand schon lange auf dem Reiseplan meiner Frau, aber jetzt wollten wir schnell noch dem wohl bevorstehenden Masseneinfall von US-Touristen zuvorkommen.

Die Reise war kombiniert aus einer Woche Rundreise und einer Woche Aufenthalt am Meer in einem Hotel in der Nähe von
Playa Jibacoa zwischen Varadero und Havanna an der Nordküste Kubas. Die Rundreise umfasste die Strecke zwischen Vinales im Westen, Havanna und bis Trinidad im Süden, etwa auf der halben Länge der Insel.

Wir fuhren mit der Bahn nach Köln von wo uns Cond.r in 11 h nach Varadero brachte.

Alte Kirche in La Habana
Schöne Kirche (18.Jh.) in La Habana  Klick vergrößert

Die Busfahrt, schon mit der Rundreisegruppe von etwa 20 Personen, nach La Habana dauerte nochmal knapp 3 h.
Das war ein moderner chinesischer Bus, der keine Wünsche offen ließ und den wir die erste Woche zur Verfügung hatten. Begleitet wurden wir diese Woche über von einem deutsch sprechenden Guide und dem Fahrer (beide mit vernünftigen Hochschulabschlüssen, mit denen sie aber keine adäquate Arbeit finden).
Geld tauschten wir erst auf der Insel, im Hotel oder auf der Bank, wo's wesentlich umständlicher war. Als Tourist zahlt man mit dem konvertiblen Peso, dem CUC, 1 Euro etwa = 1 CUC. Geld brauchten wir eigentlich nur für Trinkgelder, für die Getränke auf der Rundfahrt und für Souvenirs.

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir in La Habana und Vinales, der kubanischen Tabakregion.

Standard-Wohnhaus in La Habana
Standard-Wohnhaus, wie man sie überall im Lande findet, ein- oder zweistöckig, eigener Wassertank, elegante Stromzuführung
Großes Wohnhaus in La Habana

Havanna überwältigte uns mit ihrem architektonischen Reichtum   (Kolonial- und Jugendstil, Art Deco, ...) an einer Unzahl alter Häuser, die überwiegend aus der zweiten Hälfte des 19. und der ersten des 20. Jahrhunderts stammen, als in  Kuba viel Reichtum konzentriert war, auch aus undurchsichtigen Quellen. Sie sind aber äußerst schlecht erhalten und trotzdem von vielen Menschen in unvorstellbarer Enge und sehr schlechter Wohnqualität bewohnt (bauliche Defekte, nur zeitweise Wasser, defekte Kanalisation).

Unser Guide nahm nur wenig Blatt vor den Mund und zeigte uns schlimme Stadtviertel und die stark beschränkten Einkaufsmöglichkeiten der Einwohner. Er sprach über die hohe Arbeitslosigkeit, auch der gut ausgebildeten Intelligenz, Lebensmittelkarten, geringe Arbeitslöhne und die starke Unterdrückung privater unternehmerischer Initiativen. Er betonte aber auch die gute und kostenlose Volksbildung bis zum Hochschulstudium und die ebenfalls kostenlose medizinische Versorgung, die zwar viel Personal aber wenig Technik und Medikamente hat.

Wohnhauseingang
Total überbelegtes großes Wohnhaus in La Habana Bewohntes Haus, keine Ruine!
Wirtschaft, Landwirtschaft, Verkehr und sonstige Infrastruktur außer dem Tourismuswesen scheinen vor 25 Jahren in einen Dornröschenschlaf gefallen zu sein, als mit der Wende auch die Freunde Kubas wie Sowjetunion und DDR wegbrachen und die Blockade durch die USA so noch viel stärker wirkte. Geblieben ist glücklicherweise Venezuela mit ehemals Hugo Chávez +, von wo scheinbar noch genügend Erdöl zumindest für die Energieerzeugung kommt.

Die Auswirkungen für die Bevölkerung sind schlimm. Es gibt praktisch keine Industriewaren zu kaufen und Lebensmittel nur wenig und in schlechter Qualität. Eisenbahn und offizielle Busse verkehren nicht oder äußerst unregelmäßig. Man fährt per Anhalter oder mit wenigen überfüllten LKWs, die privat zu "Bussen" umgerüstet wurden oder liebevoll am Leben erhaltenen alten Autos von Moskwitsch bis Pontiac. Diese in der Exklave überlebenden Oldtimer stellen wohl fast das größte auf dem internationalen Markt interessierende Volksvermögen von Kuba dar. Auch das Motorradspektrum der DDR ist komplett vertreten.
Oldtimer

Liebevoll erhaltene Oldtimer in großer Zahl, hier als Taxi, andere Privatautos gibt es nicht

Lebensmittel auf Marken Lebensmittel für CUC Propaganda in La Habana
Üppiges Angebot im Lebensmittelmarken-Laden

Lebensmittel für CUC auf dem Markt bei 30 °C

Einzige Werbung, Propaganda für Fidel Castro

Die 160 km von La Habana nach Vinales und zurück lieferten zunächst einen erschreckenden Einblick in die kubanische Landwirtschaft, der in den zentraleren Provinzen später etwas gemildert wurde. Die Feldwirtschaft liegt brach, weil fast keine Maschinen und Ersatzteile verfügbar sind.
Landschaft Vinyales

Die Viehwirtschaft liefert wegen uneffektiver Methoden und fehlendem Kraftfutter zu wenig Fleisch, Milch, Eier,... Die Erzeuger müssen 90% abliefern und erhalten zu wenig Geld dafür.

Tabakbauern und Rum-Produzenten geht es relativ gut, da sie für den Export produzieren.

Das Vinales-Tal ist eine herrliche einzigartige Landschaft und lohnt den Besuch.

Tabak-Darre
Schöne Landschaft im Vinales-Tal Im Trockenschuppen für Tabakblätter, fädeln von Hand durch die Mittelrippe
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Wir besuchten einen bekannten Tabakbauernhof, wo man auch Zigarren wickelte. Wir konnten dann schmecken, wie kubanische Zigarren wirken.
Man quetschte Zuckerrohr für uns aus, der Saft mit "Medizin" (Rum) gab einen Vorgeschmack auf die noch kommenden Cocktails.


Wir fuhren per Boot durch eine Kalksteinhöhle, der Tag war voller Erlebnisse und Informationen
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Zuckerrohr-Quetsche

Kalksteinhöhle

Blick vom Kirchturm von Vinales
(mit deutscher Hilfe rekonstruiert)
Gebirgsbach Nach diesen zwei Tagen ging es mit dem Bus weit ins Zentrum von Kuba nach Santa Clara. Unterwegs wurde immer wieder Station gemacht, um touristische Höhepunkte zu besuchen.

So kamen wir auch in die Schweinebucht, wo 1961 die USA-Agression mit 1500 Söldnern erfolgte, die Castro stürzen wollte aber scheiterte.
Wir sollten dort eigentlich mal im karibischen Meer baden.
Krokodilfarm
Wanderung im Gebirge mit kühlem Bad in einem Gebirgsbach 'ne Krokodilfarm und ein "Indianerdorf" mussten natürlich auch sein :-(
Uns interessiere aber mehr ein hinter der Küste gelegener Süßwasser-Quelltopf mit Verbindung zum Meer, in dem baue Schweinsfische schwammen, die der Bucht den Namen gegebenen haben und den wir mit ABC erkundeten, empfehlenswert.
Livemusik

Die weiteren Tage brachten dann noch Aufenthalte in den alten Städten Cienfuegos und Trinidad, die alle interessant waren (Stadtrundgänge, Fluss- und Bucht-Rundfahrten und jede Menge Live-Musik und Rum-Cocktails).
In Cienfuegos und Trinidad ist die UNESCO mit Restaurierungen wirksam geworden, so dass die Gebäude in wesentlich besserem Zustand sind als Havanna, aber es bleibt auch hier noch unendlich viel zu tun.

Die Hotels  unterwegs waren in gutem Standard, manchmal etwas eng und mit mittelmäßigem Essen, aber immer sauber und mit freundlichem Personal.

Anmache auf der Straße hielt sich absolut in Grenzen, und man begegnete uns mit freundlichem Entgegenkommen. Man fühlte sich nie bedroht, auch nachts allein auf der Straße nicht.

Live-Musik mit traditionellen Klängen gehörte in jeder Stadt zum Straßenbild und zu den Gaststätten
Am Ende der ersten Woche kam, verbunden mit der Auflösung der Reisegruppe, die letzte Busfahrt wieder in den Norden ins Strandhotel Breezes Jibacoa, auf etwa halber Strecke zwischen Varadero und Havanna, für die zweite Woche.
Reisegruppe nach einem tropischen Regenguss

 

Strand vor unserem Hotel
Wir waren froh, nicht ein Hotel direkt in Varadero gewählt zu haben. Wie wir bei der Ablieferung eines Teils unserer Gruppe merkten, ist das eine reine Hotelstadt mit teilweise relativ großen Hotels, wo man überhaupt keine Verbindung zu dem Land hat, in das man gereist ist.
Lobby des Hotels Das all-inclusive-Hotel (aktuell unter kanadischer Leitung) war in einem hervorragenden Zustand, gepflegt und sehr geschmackvoll gestaltet, mit gutem Essen und zusätzlichen Cocktail-Snack-Bars, nettem (auch vermeidbarem) Abendprogramm und nicht soo viel Gästen. Es ist außerdem nahezu solitär in natürlicher Landschaft gelegen. Wie in solchen Hotels in aller Welt üblich, hat es einen gewissen Ghetto-Charakter. Man musste es nicht verlassen, aber wenn man wollte, konnte man ausgedehnt die Umgebung erkunden und auch kleine Kontakte mit der Landbevölkerung anbahnen, was Spaß machte.
Buffet
Hotel-Lobby mit Blick auf die Hauptallee des Hotel-Dorfes und das Meer Essen am Buffet mit abwechslungsreichen und teilweise direkt zubereiteten Speisen
Den Hauptanteil an Hotelgästen gaben die kanadischen Touristen, die Kuba in 4 Flugstunden erreichen und teilweise ihren gesamten Urlaub im Hotel verbringen, höchstens mal Kurzausflüge nach La Habana, Matanzas oder Varadero unternehmen. Weitere Anteile waren Deutsche, Engländer und wenige Niederländer und Russen.
Das breite All-inclusive-Angebot verführte natürlich trotz aller guter Vorsätze zu üppigem Naschen und vor allem (rumhaltigen) Trinken. Aber diesen lockenden Cocktails kann man einfach nicht widerstehen.
Boot der Tauchbasis Der Strand hatte ein in etwa 150 m vorgelagertes Korallen-Saumriff, an dem man trotz des relativ starken Wellengangs sehr gut schnorcheln konnte, wenn man hinter die Brandungszone schwamm. Leider war wegen des starken auflandigen Windes und dem damit verbundenen Anschwemmen von Quallen, die ihre klebrigen und fürchterlich brennenden Nesselfäden verbreiteten (natürlich eigene Erfahrung), das Schwimmen einige Tage lang nicht gestattet. Den großen Swimming-Pool, der überwiegend mit in Gummitieren treibenden Cocktail-Dauerkonsumenten bestückt war, haben wir trotzdem nicht genutzt.
Qualle
Boot der Tauchbasis am Strand Nette Strandfauna mit eindrucksvollen Nesselfäden
Am Strand gab es zwei kleine Tauchbasen, die Leihausrüstung und Tauchgänge vom Strand (25 CUC + 15 CUC für Ausrüstung) oder vom Boot aus (60 CUC + 15 CUC) anboten. Die Strandtauchgänge führten nur vor das Saumriff (mit dem Tretboot), wo der Grund etwa bei 8 m lag, den man also auch in Apnoe mühelos erreichen konnte. Mit dem Boot fuhr man weiter östlich an ein anderes mehr zerklüftetes Saumriff, wo der Grund auf 12-15 m lag.
Großfisch war nicht zu sehen, aber die Korallen und und ihre typische Fischbesatzung waren bei Sichtweiten um 10-15 m durchaus interessant, wenn auch nicht so zahlreich und vielfältig wie um die Malediven oder im Roten Meer.
Zum Tauchen gibt es aber bestimmt auch noch auf Kuba interessantere Plätze, wir waren ja nicht auf "Tauchreise" ;-)
Der Preis je Tauchgang war der höchste, den ich bisher erlebt habe, erscheint aber für die Bedingungen in diesem Land verständlich. Die Leihausrüstung war in gutem Zustand. Andere Aktivitäten außer Cocktails zu trinken wären auch noch möglich gewesen, z.B. mit einem Katamaran zu segeln oder zu kiten.
Die Woche mit sonnen, schnorcheln, spazieren gehen, netten kanadischen und englischen Bekanntschaften war natürlich viel zu kurz. Wir werden die Karibik sicher noch öfter besuchen, aber es gibt noch viele andere Inseln und Küsten.
Strand noch im Süden
Nochmal ein Strand von der Südküste

Altes Tauchen -> Reisen --> Kuba 2015

Letzte Änderung: 28.03.2015