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Portugal - Madeira - Canico de Baixo - Manta-Diving-Center 8/98

Wir waren als tauchende Familie im August 1998 für zwei Wochen auf der Atlantikinsel Madeira im Ferienort Canico de Baixo (phonet. Kahniesso de Bascho).


Motive für die Auswahl von Madeira als Ziel für unseren spärlich bemessenen Jahresurlaub waren:
- Tauchgründe mit klarem, frischem Wasser und reicher Tierwelt an felsiger Küste,
- erträgliche Lufttemparaturen in der durch die Ferien der Kinder festgelegten Reisezeit,
- maßvolle touristische Erschlossenheit und Reste ursprünglicher lokaler Struktur,
- landschaftlich attraktives Hinterland für Ausflüge per Auto oder zu Fuß.

Um es vorwegzunehmen, mit Einschränkungen im dritten Punkt hat Madeira unsere Erwartungen voll erfüllt. Canico hatten wir mit Hilfe von Infos von Reiseveranstaltern, aus dem Internet und der "Unterwasser" ausgewählt, da es an der geschützten Südküste und neben einem UW-Schutzgebiet liegt und sich dort Tauchbasen konzentrieren. Bei einem Ausflug an die Nordküste haben wir dann auch verstanden, warum dort keine Basen sind (flacher Steinstrand mit starker Brandung,Wind, brrrrh!...)

Gebucht haben wir nach einigen Vergleichen (Spillmann, TUI, Hotel vor Ort,...) bei TUI (DZ m. Balkon+Frühst. für 2 Wochen 1.581 DM/Pers.) im Hotel Galomar direkt an der Küste und waren sehr zufrieden (kostenlose Anfahrt zum Flughafen, Tauchgepäck ohne Gebühr (Germania), perfekte Reiseorganisation ohne weitere Belästigung vor Ort bei potentiell möglicher Betreuung, gutes Preis-/Leistungsverhältnis im geschmackvoll und zweckmäßig eingerichteten ruhigen Hotel mit sehr gutem Frühstück und in optimaler Lage zum Tauchen).
Canico de Baixo ist der Touri-Teil des Ortes Canico, der einige hundert Meter höher an der steil ansteigenden Felsküste liegt, besteht (leider) nur aus Ferienhäusern und wenigen größeren Hotels, macht aber trotzdem einen gemütlichen und angenehmen Eindruck, wozu auch die üppig grüne Bepflanzung mit subtropischen Bäumen, Blumen und Kakteen und die nur geringe Sichtbarkeit des Touristenschwarms beitragen. Die touristischen Einrichtungen sind wohl überwiegend in deutscher Hand, sowohl vom Eigentümer als auch vom Publikum her.

Die Preise der Gaststätten und Lebensmittel hier sind etwa wie in der Heimat. In anderen Orten (schon in Canico und selbst in der Hauptstadt Funchal) kann man deutlich preiswerter einkaufen. Einkäufe im Supermarkt für den kleinen Imbiß auf dem Balkon sind also kein Problem. Geld an der Rezeption zu tauschen oder direkt am Bankautomaten (EC-Karte, Visa,...) zu ziehen, war ebenfalls unproblematisch. Nach Durchsicht unserer Kontoauszüge scheint der Automat die günstigste Möglichkeit gewesen zu sein.
In Canico de Baixo verstehen scheinbar alle Kellner und Verkäufer deutsch, in anderen Orten
kommt man mit Englisch auf jeden Fall weiter. Wir haben uns auch ohne wesentliche Portugiesischkenntnisse mit Dorfkrämern prima verstanden.
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Für Ausflüge ins Land sind die Busverbindungen und auch Taxis sehr günstig und preiswert (Bus nach Funchal 2,40DM (etwa 30min Fahrt)). Sehr zu empfehlen sind auch Mietautos, die man direkt vor Ort und kurzfristig buchen kann (ab 50DM/Tag). Beim Fahren kommt Freude auf, da es wohl keine 100m ebener Straße gibt und die Breite teilweise nur für ein Auto reicht, während es rechts 300m abwärts ins Meer geht und links auch steil ansteigt (für Gernefahrer mit Straßengefühl wirklich Spitze!). Die Straßen sind aber extrem gut gepflegt und auch am Rande liebevoll bepflanzt. Wenn auch die Trennung vom Wasser schwer fällt, sollte man doch x Tage "opfern", um die unwahrscheinlich schöne Berglandschaft Madeiras in Kombination mit Meer und Wolken zu genießen. Wandern ist bestimmt auch schön, unsere Füße sind aber mehr für Flossen gemacht.
Ein Ausflug zur Nachbarinsel Porto Santo, auf der auch eine Tauchbasis ist, kann per Fähre oder Flugzeug erfolgen, lohnt sich aber wohl (zeitlich und finanziell) nur für mehrere Tage.
Getaucht sind wir über das Manta Diving Center von Gabriela und Stefan Maier, in das wir quasi hineingepurzelt sind, ohne uns vorher die anderen Basen anzusehen, da es so schön bequem am "Lido" des Hotels Galomar liegt und über einen Lift (zumindest aufwärts!), der die Höhe bis zum Wasser angenehm meistert, zu erreichen ist. Vorherige Vergleiche von gefaxten Preislisten, die Lage und der angenehme erste Eindruck gaben da wohl den Ausschlag, den wir auch nicht bedauert haben.

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Die Basis (alteingesessen, ab 1997 von Maiers selbständig übernommen, die vorher als TLs und Basenleiter international Erfahrungen gesammelt haben) wird mit kleiner deutscher Mannschaft betrieben (diesmal weitere 3 TLs bzw. Guides) und hat eine moderne und gut gepflegte Ausrüstung, für etwa 15 Taucher:
- 12-l-Stahlflaschen (DIN, INT mögl.),
- MARES-Jackets und -Anzüge (naß 6mm),
- Sherwood-Regler,
- Computer (Aladin Sport),
- Lampen (MB-Sub/Hartenberger),
- einen neuen L&W-Kompressor (450l/min) und
- ein großes gedecktes Holzboot (2 Tage in der Woche, für etwa 20 Taucher,
von anderen Basen nur Schlauchboote gesehen)).
Eine Dekokammer (HAUX) ist in einem benachbarten Hotel, ein Notfallkoffer mit O2 war immer mit auf dem Boot. Ab 1999 wird auch der Verleih von Kameras und Scootern möglich sein, ein schnelleres Boot für weiter entfernte Spots soll angeschafft werden (Wracktauchen wird damit möglich).

Die Atmosphäre ist sehr familiär, und auf individuelle Wünsche wird eingegangen. Tieftauchfreaks und Abenteuertaucher kommen aber wohl mit Stefan nicht auf ihre Kosten. Für Taucherfamilien, die sich auch selbständig bewegen wollen, haben wir es aber als nahezu (Wann ist der Mensch schon 100%ig zufrieden?) ideal empfunden.
Brevets und Tauglichkeitsattest wurden eingehend kontrolliert, und in Verbindung mit einem ersten begleiteten TG im Hausriff gab's einen kleinen Eingangstest. Danach konnten wir uns nach Wunsch selbständig bewegen. Stefan hängte uns aber besorgt einen Familien-Compi auf, nachdem er meinen Uhr-TM-Tabellen-Abakus ungläubig beäugt hatte (Leihkosten wurden hinterher großzügig wegrabattiert!). Ausgeliehene Anzüge und Blei behält man die ganze Zeit. Sie können mit der privaten Ausrüstung im Lagerraum der Basis untergebracht werden, so daß man die tägliche Schlepperei spart (Süßwasserdusche vorhanden). Ausleihe war in jeglicher Partition möglich (sogar "halbe" Anzüge). Kleine Jackets waren manchmal etwas knapp, die Wartezeit spielte aber kaum eine Rolle, da man sie mit sonnen, schwatzen, baden problemlos überbrücken konnte.

Ausbildung erfolgt nach CMAS/Barakuda von * bis TL-Assi (Sonderbrevets auf Anfrage). Kindertauchen ist ab 12 Jahren möglich. Wie wir es gesehen haben, wird die Ausbildung ernst genommen (4-5 Schüler mit einem TL, ferienmäßig ausführlich Theorie und anspruchsvolle Praxis, z.B. mit Bootstraining). Auch die Übergabe der Brevets wurde zum unvergeßlichen Erlebnis für die Neulinge, sie erfolgte bei dem wöchentlichen Treffen der Taucherrunde als "Tauchertaufe" durch Poseidon persönlich.

Die Tauchbedingungen waren für uns sehr angenehm: warmes (24°C) frisches Wasser ohne Sprungschicht mit Sichtweiten zwischen 10 und 15m, Felsengrund mit reicher Tierwelt (Zackenbarsche, Muränen, Rochen, Trompeten- und Papageienfische,...), teilweise in hoher Dichte, allerdings sehr geringer Pflanzenbewuchs, leichte Dünung, nur punktuell stärkere Stömung. Der Kälteschutz ging in der Familie von 3mm-Shorty über Long John mit T-Shirt bis zum 6mm-Naß (Sohn ohne Biopren).
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Etwas ungewohnt waren am Anfang Ein- und Ausstieg. Bedingt durch die Felsenküste und die Gezeiten ging es hinein durch kühnen Sprung vom Felsen (bei Ebbe auch mal 2m), und hinaus wuchtete man sich mit aller Kledage und Wellengang über steile Leitern. Aber nach einigen gelungenen Versuchen machte selbst das Spaß.
Die Tauchgründe waren entweder direkt vom Einstieg an der Basis erreichbar:
- Lavafinger mit kleiner Grotte (etwa 8m in den Fels), zerklüftetes Riff, bis 30m, Fische und niedere Tiere in großer Vielfalt (Papageienfische, Trompetenfische, Sandaale, kleinere Zackenbarsche, kleine Adlerrochen,...),
- Arena, ein kreisförmiges Riff mit Sandboden, Röhre zum Durchtauchen mit Muränen, Zackenbarsche und große Fischschwärme,
- Höhle, in etwa 10m Tiefe, etwa 20m in den Fels und 10m breit, mehrere Luftkammern an der Decke, Eingang ist immer als schönes blaues Loch zu sehen,
oder werden mit Bootsfahrten von maximal 20min erreicht:
- T-Riff (für uns der schönste Spot), zwei benachbarte Felsnadeln, von 30m auf etwa 10m, große, handzahme Zackenbarsche und Drücker, viele Muränen und Conger, große und viele Barakudas auf Nahdistanz,
- Garajau-Gebiet mit Zackenbarschen und riesigen Fischschwärmen.
Die Orientierung in allen Gebieten ist durch die Sand-Stein-Kante sehr einfach, und mindestens beim zweiten Mal hat man die Struktur begriffen. Das wiederholte Aufsuchen empfindet man trotzdem immer wieder als neu, weil die Tierwelt stark wechselt. Eine starke Lampe ist auch am Tage sehr zu empfehlen, um die vielen Felsspalten auszuleuchten, in denen das Leben pulsiert, und die richtigen Farben zu sehen (am besten mitbringen). Nachttauchgänge waren natürlich auch möglich.
Wir sind täglich einmal getaucht (bei vier Personen muß man doch etwas auf die Kosten sehen, für 11 TG mit Fl./Blei und einigen weiteren Leihteilen etwa 500DM/P.) und meist noch einmal im Gebiet zwischen Lavafinger und Arena geschnorchelt. Die Schnorchelgänge im Flachwasser zwischen den Felsen und bei unterschiedlichem Wasserstand waren durch den reichen Fischbestand jedes Mal sehr beeindruckend (auch Oktopusse, Krabben, junge Barakudas,...). Dort sollte man unbedingt seine eventuell noch nicht tauchenden Lieben hinlocken, die sonst natürlich auch prima am Lido baden oder sich sonnen können, wenn der Partner taucht.

Fazit: Taucherisch, klimatisch, finanziell und vom Erholungswert her war Madeira genau das Richtige für unsere Familie. Wir würden wieder hinfahren, wenn es nicht noch so furchtbar viel Anderes zu erkunden gäbe.

Kommentar des Nachwuchses (14&20) nach der Reise:
Super! Fetze! Mit allem rundrum zufrieden!

Kommentar meiner besseren Hälfte nach dem Korrekturlesen:
Staubtrocken, diese naßtauchenden Männer!
Ich als alte, dicke, ängstliche Warmwasser-Liebhaberin, die sonst immer in kalte, glöhmrige Baggerseen und Steinbrüche kriechen soll, hab' mich einfach pudelwohl gefühlt und sogar von mir aus weitere Tauchgänge angestiftet.


zurück zu Reiseberichten und Tauchzielen                                    letzte Änderung: 20.05.14