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La Palma Juli 2001
Mitte Juli 2001 waren wir für zwei Wochen auf La Palma, der nordwestlichsten der Kanarischen Inseln, zum Tauchen.
Wir, meine Frau, mein Sohn und ich, tauchen seit Jahren und haben zusammen mehrere hundert Tauchgänge, auch in heimischen Tagebaulöchern und Steinbrüchen.
kanaren.jpg (53603 Byte)Zumindest im Sommer versuchen wir aber, Ziele zu finden, die neben dem Tauchen auch andere Reize haben, landschaftliche, kulinarische, kulturelle ...
Nach einem schon länger zurückliegenden Urlaub auf Madeira, dann mehreren am Mittelmeer und am Roten Meer wollten wir mal wieder Atlantik, erträgliches Klima in den Sommerschulferien und reizvolle Landschaft haben. Unsere Reisevorbereitungen brachten uns auf La Palma, die als die grünste und taucherisch noch reizvolle Insel der spanischen Kanaren angepriesen wird. Um den Ort festzulegen, suchten wir zunächst nach Tauchbasen und fanden drei, die seltsamerweise alle deutschsprachig sind.
Nur die ersten beiden ließen sich mit einer wichtigen Randbedingung kombinieren, Hotel mit guter Küche. In Fuencaliente am Südzipfel der Insel hat man nur die Möglichkeit, eine Ferienwohnung mit Mietwagen und Selbstversorgung zu nehmen und ist von den reizvollen Wandergebieten noch weiter entfernt. Um es vorweg zu nehmen, die besten Tauchplätze liegen aber dort, sind allerdings auch nur mit dem Auto erreichbar. Der Westen versprach das regere Nachtleben und stabilere Sonneneinstrahlung und erforderte auch, alle Tauchplätze erst mit dem Auto oder Boot anfahren zu müssen. Wir entschieden uns also für Los Cancajos im Osten, wo es touristisch etwas ruhiger, wolkiger und windiger ist und zumindest ein Hausriff zu Fuß zu erreichen ist. Bis auf kleine Querschlägereien der Wetterküche im Osten (zeitweise zu starke Brandung) haben wir diese Wahl im Nachhinein als richtig empfunden.

Quartier
Da wir aus dem Jugendherbergsalter heraus sind und über Jahre nur positive Erfahrung mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis des großen Reiseanbieters TUI gemacht haben, buchten wir also bei diesem. Die Basen bieten zwar auch Vermittlung von Quartieren und Mietwagen an, aber wie gesagt, wir wollten ein nahrhaftes Hotel und uns nicht um den Flug kümmern. Also brachte uns TUI in Los Cancajos für 1950DM/Person für 2 Wochen in der spitzenmäßigen Hacienda San Jorge unter. Es gibt zwar auch zwei Bettenburgen in Cancajos, aber die Hacienda ist eine Anlage mit mehreren kleinen Appartmenthäusern in einem herrlichen subtropischen Park rund um den großen, sehr schön angelegten Salzwasser-Pool.
Zimmer und Essen waren ausgezeichnet. In Park und Pool hätten sich auch nichttauchende Familienmitglieder sicher wohlgefühlt. Sonst ist dort für diese armen Menschen allerdings nicht allzuviel zu holen, es sei denn, sie machen gern Gebirgswanderungen (auch mit Busanfahrt möglich). Shopping, Disko und Museum sind hier eher ungeeignete Interessen.

 

Flug
Wir flogen mit Air Berlin von Berlin-Tegel und hatten nach Anmeldung keine Probleme mit dem Tauchgepäck (30kg frei). Nach tiefem Blick in meine treuen Augen hatte der Sicherheitsmensch nicht mal was gegen meine dicken Bleigel-Akkus, die ich sonst immer auspacken muß.
Die Mitnahme einer leeren Jacketflasche hatte Air Berlin allerdings mit idiotischer Standardbegründung vorher verweigert. Auf Nachfragen per Email geruhte man nicht zu antworten. Man hat's offensichtlich nicht nötig.
BTW, der Flughafen Tegel ist in der Ferienzeit einfach indiskutabel überfüllt und kann zarten Gemütern die ersten Ferientage herrlich vermiesen.

Landschaft

Was wir auf La Palma an Landschaft sahen, ist in dem Text vom Diving Center La Palma gut beschrieben. Die drei folgenden Bilder zeigen die reizvolle Gegensätzlichkeit wohl ganz gut.

Bucht und Hausriff von Los Cancajos mit Centro Commercial und einer Bettenburg im Hintergrund, felsige Strandlandschaft mit schwarzem, vulkanischen Sand und neu ausgebauten Strandanlagen bei ruhigem Wetter.
Vulkanlandschaft im Süden, durch die man fährt, wenn man die besten Tauchplätze erreichen will.
Die schroffen Hänge der Caldera de Taburiente, des riesigen Kraterkessels im Norden,
Hier ist die Landschaft einerseits felsig rauh und kahl, andererseits sehr grün bewachsen und teilweise triefend vor Feuchtigkeit - unbedingt ansehen.

Mietwagen

À propos ansehen, das ist eigentlich nur möglich, wenn man sich für einige Tage einen Mietwagen nimmt (Motorräder gab's leider nicht, obwohl das Straßennetz dafür herrlich wäre) und nach dem morgendlichen TG ins Land fährt (Achtung! Stickstoffpegel und Bergeshöhe beachten!). Mietwagen gibt's überall, man braucht also nicht vorzubuchen. Aber die Preise schwanken um mindestens 200%. Wir haben uns ein bißchen umgehört und schließlich für 7 Tage 25DM/Tag für einen kleinen kräftigen und fast neuen Toyota bezahlt (Vollkasko inkl., kein km-Limit). Und der Sprit kostet etwa 'ne Mark/l, Wahnsinn!!! Das Straßennetz ist herrlich ausgebaut, schmal aber gut asphaltiert und befestigt (EG-Förderung!). Das Fahren ist was für Bergliebhaber, zum höchsten Berg fährt man z.B. 39km in ununterbrochenen Spitzkehren und Steigungen um 20% - das macht echt Spaß!

Die Landschaft ist das Faszinierende, die Ortschaften boten für uns kaum Interessantes. Aber manchmal bildeten Häuser und Felsen beeindruckende Ensembles, wie hier in Santa Cruz.

Sprachlich kommt man zur Not auch ohne Spanisch mit Englisch, Deutsch und Pantomime durch. Wenn's gar nicht geht, wird man eben in die Küche gebeten und darf sich sein Mittagessen aussuchen. Über die vielen Supermärkte könnte man sich auch problemlos selbst versorgen. Die Preise sind moderat, da Vieles steuerfrei verkauft wird (EU-Sonderstatus). Auf jeden Fall muß man die einheimischen Bananen probieren, die einen ganz neuen Bananeneindruck verschaffen.

Nun aber endlich zum Tauchen, wozu wir ja schließlich hergekommen waren.
Wir haben uns also im Diving Center La Palma eingeschrieben, da eigenständiges Tauchen (angeblich?) nicht möglich war. Eine andere Basis bot separat Flaschenfüllen an, wozu soll das dann gut sein?
Unsere Voranmeldung per Email beim Diving Center wäre wohl nicht nötig gewesen. Mehr als 10 Taucher waren nie auf einmal da, oft waren wir drei allein (nicht unangenehm für uns). Es gab die üblichen Formalitäten, sie spielten aber keine wesentliche Rolle. Hervorzuheben ist die Flexibilität bei den Tauchgängen. Wünsche nach Zeit und Ort wurden gern gewährt, wenn es sich irgendwie einrichten ließ. So sind wir mehrfach à dritt mit einem Guide zu Tagesausflügen nach Süden gefahren, zu denen wir uns blitzblatz entschlossen hatten.
Etwas problematisch ist der Transport. Die TG erfolgen alle von Land. Man fährt also mit dem Auto u.U. 40km nach Süden, taucht dort 2-mal und fährt am Nachmittag wieder zurück. Das muß man mit dem eigenen (Miet)wagen tun, da die Basis außer für das Gerödel keine Transportkapazität hat und keine Personentransporte ausführen darf, naja. Also, Mietwagen oder Hausriff!
In der Basis, die eine Gerödelablage über die ganze Zeit, Toilette, Dusche und Umkleideplatz mit Spülmöglichkeit im Innenhof des Centro bietet, sind etwa vier deutschsprachige Guides und Tauchlehrer (PADI), die auf unterschiedliche Weise kameradschaflich, nett und hilfreich sind. Es gibt genug Stahlflaschen (meist 12er, wenige 10er und 15er) mit DIN-Anschlüssen, um etwa 15 Taucher auf einem Tagesausflug auszustatten. Zur Leihausrüstung kann ich nichts sagen, wir hatten unser Zeug mit. Mit Flaschenventilen gab's öfter mal Probleme, die Flaschen wurden aber immer schön randvoll gemacht. Sanikasten und Sauerstoff waren bei den Ausflügen dabei.
Es gibt Tauchgänge im Hausriff, Kurzausflüge zu nahegelegenen Tauchplätzen und Tagesausflüge (2 TG) zu den besten Tauchplätzen um die Südspitze (wie oben schon genannt). Die Tauchplätze werden prinzipiell von allen drei Basen angefahren, je nachdem, wie Wind und Wellen es bestimmen.
Zu den TGn im Hausriff, die locker einmal vormittags und einmal nachmittags stattfinden, zieht man sich vor der Basis um und tappelt dann etwa 200m zum Strand runter und nach dem TG wieder hoch. Das streßt anfangs ein bißchen, ist aber wirklich kein großes Problem.
Vom Hausriff ausgehend gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, interessante TG zu machen. Ungünstig wird's bei solcher Brandung, wie auf dem Bild, die das zu Wasser kommen verhindert. Wenn dann kein Auto für Ausflüge da ist, steht man auf dem Schlauch.

Alle TG wurden prinzipiell begleitet. Die wiederholten TG am Hausriff hätten wir schon ganz gern allein gemacht, wie wir es aus Kroatien, Madeira oder El Quseir gewohnt sind. Aber da führte leider kein Weg rein, wobei ich zugebe, daß ich die diesbezüglichen spanischen Verordnungen nicht kenne.
Die TG wurden kompetent und sehr vorsichtig geführt, manchmal wären wir schon gern etwas laxer mit der 40-m-Marke umgegangen ;-)) oder bei der hohen Brandung noch ins Wasser gesprungen. Andererseits wurde aber auch problemlos eine etwa 60m lange Meereshöhle in 6m Tiefe betaucht, die für mich ein Höhepunkt war, weil ich gern in solchen Löchern rumkrauche, bei der ich aber doch vom Teilnehmerkreis und Ausrüstung her mehr Bedenken gehabt hätte.
Die Wassertemperaturen waren angenehm zwischen etwa 22 und 24°C. Meine Frau ist durchweg, auch 50-min-TGs, mit Shorty getaucht und ich zum Schluß nur noch mit long John und T-Shirt. Die Guides vermieden allerdings, uns UW anzusehen, um nicht jedes Mal mit den Zähnen zu klappern ;-)).
Nehmt immer eine Lampe mit, in den vielen Löchern und Spalten ist das meiste los. Muränen, Rochen,... waren schon da, man mußte eben ein bißchen suchen und genau hingucken.

Abrechnung und Bezahlung waren völlig problemlos. Es wurde korrekt abgerechnet und in spanischer Währung bezahlt, die man vorher vom EC-Automaten holte. Die Preise für die Tauchgänge sind im Vergleich zu unseren bisherigen Erfahrungen relativ hoch, die ständige Begleiterei ist natürlich auch aufwendig ;-((

 

Atlantik 28°

Diving Center La Palma

Tauchpartner La Palma

geführter TG mit Flasche + Blei

37 DM

44 DM

43,50 DM

Zuschlag Tagesausflug

?

10 DM

?

Rabatt

jeder 6. TG frei

10% ab 10 TG

10er Paket 388 DM


Der gemeine Urlaubstaucher ist unbescheiden, er mäkelt an allem rum, wenn er's schon mal besser hatte. Uns hat von der Taucherei her Madeira deutlich besser gefallen, mehr Fisch, bessere Sicht und mehr individuelle Freiheiten. Aber vielleicht lag's auch am strengen Wetter und dem fehlenden Boot.

Wir sind jedenfalls wieder gut zu Hause angekommen. Wo tauchen wir denn im nächsten Sommer?


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